Mittwoch, 13. Dezember 2017

Weihnachten aus der Sicht vom lieben Gott

Wir befinden uns im Herzen des Universums, genau gesagt in der Kommandozentrale, welche selbstverständlich vom lieben Gott geleitet wird. Er sitzt dort inmitten von Trilliarden von Monitoren und beobachtet stets sämtliche von ihm erschaffene Planeten und die sich darauf entwickelnden Spezies. Heute, am 24. Dezember, hat er gerade Lust sich unseren Planet Erde und seine Bewohner, ganz genau anzusehen.


Gott: Sehen wir doch einmal nach, wie es meinen kleinen Verrückten heute geht. Ich bin gespannt, was die heute wieder für Dummheiten treiben.

Engerl: Lieber Gott, heute ist auf der Erde Weihnachten und da feiern sie allesamt, also die Christen halt, die Geburt Deines Sohnes Jesus, welchen Du auf die Erde geschickt hast, um...

Gott: Ja, ja, ist schon gut. Ich kann mich daran erinnern. Eine nette Geste, dass sie immer noch daran denken und sich so darüber freuen. Wie wird denn dieses wunderbare Fest gefeiert?

Engerl: Lieber Gott, die Menschen gehen in den Wald, holzen Millionen von Bäume ab, bringen diese in ihre Behausung, schmücken sie, legen Geschenke für ihre Lieben unter den Weihnachtsbaum, singen Weihnachtslieder und nehmen ein Festmahl ein.

Gott: Das mit den Bäumen ist zwar wieder einmal typisch für diese geistig benachteiligten Geschöpfe aber sonst dürfte das ganz nett sein. Ich muss sagen, ich bin positiv überrascht. Welche Geschenke gibt es denn so? Eine Bibel, Holzkreuze oder einen Rosenkranz?

Engerl: Lieber Gott, die Menschen gehen da ein wenig andere Wege. Sie beschenken sich mit Unterhaltungselektronik, Schmuck, Kosmetika, Spielzeug und Geld.

Gott: Na großartig. Wissen die eigentlich was sie da am 24. Dezember feiern? Wie viele von den Christen sprechen an diesem Tag eigentlich mit mir? Ich habe doch den Eindruck gehabt, dass immer zehntausende von ihnen mit mir an diesem Tag gesprochen oder wie man halt sonst sagt, gebetet, haben.

Engerl: Lieber Gott, die zehntausenden Menschen mögen zwar viel klingen, wenn man aber davon ausgeht und auch weiß, dass es auf der Erde etwa 2,3 Milliarden Christen gibt, so muss ich zugeben, dass diese Anzahl an betenden Menschen, ein verschwindend geringer Teil ist.

Gott: Das ist ja geradezu ein Hohn! Naja, vielleicht verlange ich auch einfach nur ein wenig zu viel von den Erdlingen. Ich will lieber selbst nach dem Rechten sehen. Schauen wir uns beispielsweise in Österreich um. Was lieber Engel kannst Du mir empfehlen? Ich will eine typische Szene von gestern sehen.

Engerl: Lieber Gott, ich verstehe nicht warum.

Gott: Ich will ganz einfach wissen, wie sich die Menschen auf das Weihnachtsfest vorbereitet haben. Zeige mir eine dafür typische Begebenheit. Das schaffst Du garantiert.

Engerl: Lieber Gott, das fällt mir zwar jetzt nicht leicht, aber bitte schön.

Der Engel betätigt die Wiedergabetaste und man sieht ein unheimliches Gewurl auf der Wiener Mariahilferstraße.

Gott: Engelchen! Du hast die falsche Taste gedrückt. Das scheint der schnelle Vorlauf zu sein.

Engerl: Lieber Gott, das ist nicht der Fall.

Gott: Ja warum rennen die denn alle so? Was treiben die Unruhigen denn da?

Engerl: Lieber Gott, wir befinden uns hier auf der größten Wiener Einkaufsstraße. Hier eilen die Menschen von Geschäft zu Geschäft und versuchen im letzten Augenblick noch irgendein Geschenk zu finden und kaufen, für jemanden – meistens einen sehr nahe Angehörigen, für welchen sie kein passendes Geschenk gefunden haben.

Gott: Diese Menschen nennen sich Christen? Sie kaufen für jemanden der ihnen am Herzen liegt irgendein Geschenk? Warum zeigen sie ihm nicht einfach ihre Liebe durch Worte und Werke?

Engerl: Lieber Gott, das haben sie leider verlernt. Sie sind der Ansicht, dass je höher der Betrag ist, welchen man für eine Person ausgibt desto wertvoller er für sie selbst ist. In Wirklichkeit geht es oft auch darum zu zeigen, welche Reichtümer man besitzt und was man sich alles leisten kann.

Gott: Willst Du mir etwa sagen, dass sie in Wahrheit nur protzen und dieses Fest dazu nutzen ihr eigenes, kleines, unterdrücktes Ego aufzupolieren?

Engerl: Lieber Gott, das hast Du jetzt allerdings schon ein bisserl hart formuliert, aber ja so ist es.

Gott: Diese Menschen sind ja solche Dumpfbacken, dass es nicht zum Aushalten ist. Nun gut, ich werde jetzt einmal kurz durchatmen und wenn ich den Blick nach vorne richte, da fällt mir eine gemütliche, kleine Ecke auf, wo auffällig viele Menschen nebeneinander stehen und sehr zufrieden aussehen. Was machen sie denn da?

Engerl: Lieber Gott, das nennt sich Punschstand. Der besagte, von Dir angesprochene Punschstand erfüllt sogar einen guten Zweck. Man trinkt einen heißen Tee mit Alkohol, zahlt dafür und der Reinerlöse kommt beispielsweise armen Kindern zugute. Je mehr Punsch die Menschen trinken, um so mehr Geld kommt also für die Bedürftigen zusammen.

Gott: Willst Du mir etwa sagen, dass die Menschen nicht in der Lage sind einfach so aus Nächstenliebe, Geld für die Bedürftigen zu geben sondern sie müssen sich dafür ansaufen, damit es Menschen, welchen es nicht so gut geht eine Spende zukommt? Das ist doch krank!

Engerl: Lieber Gott, bitte rege Dich nicht so auf!

Gott: Du hast Recht. Kannst Du mir abschließend vielleicht doch noch etwas Schönes zeigen? Es darf auch ruhig von jetzt und heute sein. Ich will aber unbedingt, dass es aus Österreich ist, damit ich keine negative Meinung von diesem Staat behalte.

Engerl: Wenn Du willst kann ich Dir eine Live-Schaltung in eine klitzekleine Kirche..... dort beginnt in Kürze das schönste Weihnachtslied der Welt. Es stammt von …. und …. Das Lied kennt man auf der ganzen Welt und es wird am Heiligen Abend in allen Sprachen gesungen.

Als die ersten Takte von Stille Nacht, Heilige Nacht erklingen, rinnen dem lieben Gott ein paar Tränen der Rührung über die Wangen. Er schämt sich seiner Tränen nicht und singt selig lächelnd und ergriffen das schönste Weihnachtslied der Welt mit...