Freitag, 21. April 2017

Nicht jedes Menschenleben ist gleich viel wert

Ja es war eine furchtbare Nachricht als publik wurde, dass der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund, bei der Fahrt zum Champions League Spiel gegen den AS Monaco, mit drei Sprengsätzen attackiert wurde, welche einen Spieler derartig verletzte, dass dieser an der Hand operiert werden musste. Die internationale Medienlandschaft war bestürzt über dieses Ereignis und riesige Fotos und Berichte zu diesem Thema verbreiteten sich in Windeseile und bestimmten tagelang die Medien.

Nüchtern betrachtet ist bei diesem Ereignis kein einziger Mensch verstorben und wenn wir uns im Gegensatz dazu vor Augen führen, dass im vergangenen Jahr 3.000 und 2017 bereits 600 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken sind und es derzeit in Afrika eine Hungersnot gibt aufgrund derer in Jemen, Nigeria, Somalia und im Südsudan insgesamt 20 Millionen Menschenleben in Gefahr sind, dann ist die mediale Berichterstattung dazu geradezu kümmerlich. Eine Hungersnot wird übrigens erst dann als solche bezeichnet, wenn zwei von 10.000 Einwohnern täglich sterben. Sollten heute in Wien 150 von 10.000 Einwohnern an Hunger sterben, so spricht man nicht von einer Hungersnot. Man würde erst dann davon sprechen, wenn täglich mehr als 300 Personen verhungern...

Einige finden es vielleicht unfair, dass ich die Opfer eines Attentats mit einer Hungersnot oder dem Ertrinken von Migranten vergleiche. Ich vertrete auch die Ansicht, dass selbst ein Attentat mit 100 Todesopfern keinesfalls mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte, als die jetzt stattfindende Hungersnot und wenn ich mir überlege wie lächerlich gering die Berichterstattung vom 6. April
1994 bis etwa Mitte Juli 1994, über Ruanda und den grausamen Völkermord der Hutus an die Tutsi-Minderheit war, na gut da sind ja auch nur eine Million oder vielleicht sogar eine Million und fünfhunderttausend Menschen gestorben..., dann wird einem rasch klar, dass nicht jedes Menschenleben gleich viel wert ist. Ich traue mich sogar zu wetten, dass fast jeder Befragte raten müsste ob die Hutus die Tutsis oder die Tutsis die Hutus mit ihren Macheten meuchelten...

Wäre es im Vergleich nicht logischer, die ersten Seiten einer Tageszeitung mit der furchtbaren Hungersnot in Afrika zu füllen und dann als Randnotiz zu erwähnen, dass es ein Attentat auf den Mannschaftsbus der Dortmunder mit einem Verletzten gegeben hat?

Dieselben Menschen übrigens, welche es furchtbar fanden, dass die armen Spieler bereits am nächsten Tag ihr Champions-League Match absolvieren mussten, schalteten pünktlich zu Spielbeginn die Flimmerkiste ein und schauten sich das Spiel an. Es war auch nicht zu sehen, dass eine beachtenswerte Zahl an Fans zu Hause geblieben ist, um gegen die Entscheidung zu protestieren, dass bereits am nächsten Tag, aus terminlichen Gründen, gespielt werden müsse. Die Verantwortlichen hätten ganz schön blöd aus der Wäsche gekuckt, wenn am nächsten Tag niemand ins Stadion gegangen wäre und sich niemand im Fernsehen oder mittels Live-Stream die Partie angesehen hätte. Mit einem derartigen Handeln hätte der Zuschauer die Macht die UEFA zum Nachdenken zu zwingen...

Wie hat kurz nach Beginn seiner Amtszeit Papst Franziskus einmal gesagt? „Es gibt Jugendliche, die im Winter erfrieren – und das ist keine Nachricht wert, doch wenn die Börsen der großen Städte um drei oder vier Punkte fallen, dann schon“.