Samstag, 10. Juli 2021

Dem Körper zuliebe 20 Minuten in der Natur

Die aktuelle Pandemie zeigt uns wie groß unser Bedürfnis nach einem Aufenthalt in der Natur ist. Andreas Michalsen, Professor für Klinische Naturheilkunde der Charité und Chefarzt der Abteilung Innere Medizin und Naturheilkunde am Immanuel-Krankenhaus in Berlin hat auf kanadische Studien verwiesen, welche beweisen, dass bereits eine Verweildauer von lediglich 20 Minuten in der Natur, einen positiven Einfluss auf den menschlichen Körper haben. Der Puls wird langsamer, der Blutdruck und der Stresslevel sinken, das Immunsystem wird stimuliert und im Gehirn werden jene Areale besser durchblutet, welche für die Entspannung und Ruhe zuständig sind.

Die Wirtschaftspsychologie-Professorin Anja Göritz weist wiederum darauf hin, dass auch psychische Probleme wie Angst und Depressionen, bei den Aufenthalten in der Natur reduziert werden. Wichtig ist, dass wir uns mit allen unseren Sinnen auf die Natur einlassen. Es reicht sogar, wenn wir uns in die Wiese setzen/legen und die vorbeiziehenden Wolken beobachten.

Andreas Michalsen verweist wiederum auf japanische Studien, welche den alleinigen Aufenthalt in der Natur empfehlen. Die Achtsamkeit spielt dabei eine große Rolle und genau deshalb sollte man lieber alleine unterwegs sein und auch auf den ständigen Blickkontakt mit dem Smartphone verzichten. Mit dem Mountainbike durch den Wald zu fahren oder zu joggen ist zwar gut für Herz und Lunge, aber mehr als die saubere Luft können die Sport-Enthusiasten dabei nicht zu ihrem Vorteil nutzen.

Es ist nicht zwingend notwendig in den Wald oder in den Park zu gehen, um seine Gesundheit zu fördern. Eine interdisziplinäre Studie des Karlsruher Instituts Technologie, des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit Mannheim und der Universität Heidelberg aus dem Jahr 2019 zeigt, dass bereits Grünflächen, welche sich in der Innenstadt befinden, das unmittelbare Wohlbefinden im Alltag der Stadtbewohner*innen, signifikant steigern. Die Studie beweist, dass vor allem jene Menschen von Grünflächen besonders stark profitieren, deren Gehirnkapazität Schwierigkeiten hat, negative Gefühle selbst zu regulieren. Dies bedeutet, dass man bereits in der Städteplanung dafür sorgen kann, die Grünflächen gleichmäßig zu verteilen, um damit psychische Erkrankungen zu reduzieren.

Es gibt bereits seit längerer Zeit Studien, welche beweisen, dass Stadtbewohner*innen, im Vergleich zu den Landbewohner*innen, anders auf Stress reagieren und dadurch ein deutlich höheres Risiko haben, um an Angststörungen, Depressionen und Schizophrenie zu erkranken/leiden.

Welche Auswirkungen die Landschaft auf die Belastbarkeit eines Menschen hat, kann man bereits an Kindern erkennen. Die Psychologin Anja Göritz verweist diesbezüglich auf eine vergleichende Studie unter Schulkindern. Eine stressige Lebensweise kann von Kindern, welche in einer weniger grünen Umgebung leben, schlechter verarbeitet werden. Sie kämpfen und leiden mehr mit den Lebensumständen, als jene Kinder, welche in einer grünen Umgebung leben. Diese können mit Stress viel besser umgehen und sich deshalb auch schneller erholen.

Wer nicht auf dem Land wohnt, kann trotzdem von der Kraft der Natur profitieren, wenn er beim Blick aus dem Fenster eine Grünfläche, Bäume oder Sträucher sieht. Neue Forschungen aus de Abteilung für Wirtschaftspsychologie sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sogar die Simulation eines Naturerlebnisses hilft, um sein psychisches Wohlbefinden zu erhöhen. Es würde also bereits die virtuelle Realität reichen...

Wenn wir jetzt an die aktuelle Pandemie denken, dann kommt mir gleich das Grausen. Der Gedanke, dass wir in Zukunft, um vor jeder neuen Erkrankung oder/und Pandemie geschützt zu sein, daheim in den eigenen vier Wänden sitzen ist schon furchtbar genug. Wenn ich mir vorstelle, dass wir in Zukunft eine VR-Brille bekommen, welche uns Aufnahmen von Nationalparks und schönen Landschaften zeigt, um keine psychischen Erkrankungen zu bekommen bzw. diese nicht zu verschlimmern, dann wird mir im Magen flau. Mit den passenden Bildern könnte man uns dazu bringen, die Augen vor der Realität zu verschließen und uns dabei trotzdem gut zu fühlen...

Ich bin erleichtert als ich von Andreas Michalsen vernehme, dass bereits Topfpflanzen im Zimmer, bioaromatische Düfte mit natürlichen Essenzen oder/und eine Zwitscherbox mit Vorgelstimmen, eine positive Wirkung auf Körper, Geist und Seele haben können. Professor Michalsen hält es außerdem für sinnvoller, mehrere Spaziergänge pro Woche im Grünen zu unternehmen, als einmal im Jahr, einen Wanderurlaub zu tätigen. Das Mindestmaß für die Spaziergänge im Grünen, sollten zwei Stunden pro Woche sein.




Nichts ist wichtiger, als die psychische Gesundheit eines Menschen, weil diese Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele hat. Nehmt euch alle bitte Zeit für ruhige und angenehme Spaziergänge im Grünen.


1 Kommentar:

  1. 🦋Servus Peter, ich gebe dir in all denen Vermutungen recht.
    Meine Erfahrungen zeigt,auch wenn ich nur für kurze Zeit im Park spazieren gehe und das am liebsten alleine, und mich z.B an einem Baum lehne um meine Augen zu schließen und mit all meinen Sinne die Welt um mich zu Hören zu Riechen und zu fühlen.
    Um sie dann, mit ein paar Tiefen Atemzüge ein zu Atmen, geht es mir zu 100% wieder besser.
    Die Unterschiede Zwischen Stadt und Land kann ich aus eigener Erfahrung auch bestätigen.
    Ich kann mir aber, und ich möchte mir dieses Szenario auch nicht vorstellen,dass wir in Zukunft eine VR-Brille auf Gesetzt bekommen, welche uns Aufnahmen von Nationalparks zeigen um unser Wohlbefinden zu befriedigen.

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