Dienstag, 20. Februar 2018

Die Identitären - nur Patrioten?

Das sind doch nur Patrioten – so schlimm sind die doch gar nicht und der Chef von denen schaut aus wie der Traum jeder Schwiegermutter...


Zu den Fakten

Die Identitäre Bewegung (in der Kurzform Identitäre genannt), vertritt die Ansicht, dass „die europäische Kultur“ und deren „Identität“ von der Islamisierung bedroht ist.

Die Identitären informieren auf ihrer Homepage (Zitat):
Angesichts der gegenwärtigen Lage kämpft die Identitäre Bewegung vor allem gegen einen Prozess an, den wir den Großen Austausch nennen. Der große Austausch bezeichnet das Verschwinden der Österreicher durch die geringe Geburtenrate und ihrer Ersetzung im Zuge der Masseneinwanderung“.

Die Identitäre Bewegung ist in Frankreich gegründet worden und wurde 2003 in Italien von der neofaschistischen CasaPound-Bewegung beeinflusst. Im Jahre 2012 wurde in Österreich folgender Verein gegründet: „Verein zur Erhaltung und Förderung der kulturellen Identität“. Dieser Eintrag findet sich auch im Vereinsregister. 2014 wurde beispielsweise die Identitäre Bewegung Deutschland mit etwa 400 Mitgliedern gegründet. Deren Gründung ging aus der „Sarrazin-Bewegung hervor, welche sich auf die Schrift Deutschland schafft sich ab, beruft.

Die Identitären vertreten einen Ethnopluralismus. Das ist keine neue „Erfindung“, sondern entspricht den rassistischen Vorstellungen des Nationalsozialismus und/oder der Apartheid. Man geht von einer biologisch begründeten Einheitlichkeit einer Volks- und Abstammungsgemeinschaft aus und strebt die kulturelle „Reinhaltung“ der Gesellschaft von äußeren Einflüssen an, welche als „fremd“ bzw. „feindlich“ definiert werden.

Die Kurzfassung dazu lautet:
Jedes Volk hat eine eigene gemeinschaftliche Kultur sowie einen „eigenen Charakter“, die gegen Bedrohungen und Vermischungen zu schützen seien.

Der sogenannte „Große Austausch“ spielt bei den Identitären eine zentrale Rolle. Durch die Migration wird versucht, die europäische Bevölkerung gegen eine nicht europäische auszutauschen. Die Neuankömmlinge bestehen überwiegend aus Kriminellen und/oder Sozialleistungserschleicher. Dieser Bevölkerungsaustausch würde von einer „Sozial-Asyl-Migranten-Lobby“ betrieben. Die Identitären rufen deshalb dazu auf, Widerstand zu leisten. Das Volk sei nämlich die letzte Verteidigungslinie.

Das Symbol der Bewegung besteht aus dem gelben griechischen Buchstaben Lambda auf schwarzem Grund. Lambda steht für Ladedaimo und dies wiederum ist der antike Name von Sparta und dieser gilt als Abwehrschlacht der – europäischen – spartanischen Hopliten gegen die – asiatischen – Perser bei den Thermopylen. Die Identitäre Bewegung hat ihr Symbol vermutlich aus einem billigen Hollywood-Sandalenfilmchen „geklaut“. Der Film stammt aus dem Jahre 2006 und trägt den Titel Comicverfilmung 300 – Die spartanischen Verse. Es handelt sich dabei um die (historisch verbürgte) Schlacht zwischen 300 heldenhaften Spartanern und die bis zu 170.000 Mann starke Armee von Perser König Xerxes im Jahre 480 v. Chr. Der Film war übrigens extrem blutrünstig, galt als faschistoid (obwohl der Regisseur dies glaubhaft versichern konnte, dass dies nicht in seinem Interesse lag) und spielte in den U.S.A. sagenhafte 200 Millionen US-Dollar ein. Abschließend sei zum Logo noch gesagt, dass dieses sehr starke Ähnlichkeit mit jenem der nationalsozialistischen SA aufweist.

Deutschlands Identitäre sind auch bei der AfD vertreten. Man findet sie in der Jugendorganisation bis hinauf zum Landesvorsitzenden oder/und als Landtagskandidat. Eine Wochenschrift, welche den Identitären nahe steht ist die „Junge Freiheit“. Eine „erfolgreiche“ Zusammenarbeit gibt es auch mit Jürgen Elsässer, dem Herausgeber des Magazin Compact. Weiters – und da haben wir dann einen der beiden „Führer/Leiter/Chefs“ der österreichischen Identitäre, denn Schwiegermutter-Traum Martin Sellner. Er ist Mitarbeiter der Initiative „Ein Prozent“, welches er gemeinsam mit Jürgen Elsässer betreibt.

In Deutschland gibt es bei den Identitären eine Aktionseinheit gegen Flüchtlinge – zu diesen gehören neben der Identitären Bewegung, die Bürgerbewegung pro Deutschland, HoGeSa Berlin und die Berliner NPD. Die Jugendorganisation der NPD hat eine Kampagne mit dem Slogan „Identität – Werde, wer Du bist“.

Der österreichische Verfassungsschutz stuft die Identitäre Bewegung wie folgt ein:

Die als „Bewegung“ auftretende Szene stellt die „Identität des eigenen Volkes“ in den Mittelpunkt ihrer Propaganda. Unter dem Deckmantel, das jeweilige Land respektive „ganz Europa“ vor einer „Islamisierung“ und vor Massenzuwanderung schützen zu müssen, wird auf einer pseudo-intellektuellen Grundlage versucht, das eigene rassistisch/nationalistisch geprägte Weltbild zu verschleiern. Die Distanzierung vom Neonazismus in öffentlichen Statements ist als taktisches Manöver zu werten, da sich in den Reihen der Bewegungseliten amtsbekannte Neonazis befinden und Kontakte in andere rechtsextremistische Szenebereiche bestehen.“

Es gilt als erwiesen, dass der amerikanische Rechtsextremismus die Identitäre Bewegung sowohl organisatorisch als auch finanziell unter die Arme greift. Besonders hervozuheben ist dabei die Aktion „Defend Europe“. Bei der identitären Bewegung wird der Grundsatz der universalen Menschenrechte abgelehnt – an dessen Stelle tritt ein „Schutz der biokulturellen Diversität“.

Faktum ist, dass die Identitäre Bewegung Österreich größer ist als oftmals angenommen wird. Ihr Facebook Auftritt wurde (Stand 20.02.2018) von 42.635 Personen abonniert. Auf der Homepage der Identitären gab es wiederum ein Crowdfunding Projekt, um das nötige Equipment für den „Bau eines Filmstudios“. Die dafür binnen kürzester Zeit lukrierten 12.000€ ermöglichten es ihnen nun Filme für den eigenen Youtube-Kanal zu drehen. Zusätzlich bitten Sie ihre Unterstützer darum, ihnen eine Einzugsermächtigung zu gewähren. Monatliche Spenden in der Höhe von 10, 25, 50, 100 oder 250 € könnten damit problemlos getätigt werden, damit sie... Zitat: „Wir stehen täglich für unsere Heimat auf der Straße, geben Schulungen und planen die nächsten Schritte. Leider reicht Idealismus nicht aus, denn Aktivismus kostet auch Geld. Helfen Sie uns etwas zu bewegen, geben Sie unseren Aktivisten ihren Rückhalt“. Danach kommt die Aufforderung die Identitäre Bewegung als Fördermitglied zu unterstützen oder für ein konkretes Projekt zu spenden.

Die Idee (der Spendengewinnung) begeistert mich und wenn Sie sehr geschätzter LeserIn mein Projekt des unabhängigen Journalismus unterstützen wollen, finden Sie hier mehrere Möglichkeiten .

Zurück zu den Identitären: Die Bewegung wird in Österreich von zwei Personen geleitet – Martin Sellner und Patrick Lenart.

Martin Sellner studiert Philosophie und Rechtswissenschaft und ist Mitglied der schlagenden Burschenschaft Olympia. Über die Burschenschaften habe ich ja bereits in der letzten Ausgabe von „Der ÜBERFLIEGER“ geschrieben und daher wissen meine geschätzten LeserInnen auch, dass man als Mitglied einer Burschenschaft mit den einzelnen Mitgliedern lebenslangen Kontakt hält. Nochmals zur Erinnerung: das ist jene Burschenschaft, welche im Jahre 2003 den Neonazi-Sänger Michael Müller eingeladen hat, um dort sein Lied: „Bei sechs Millionen Juden, da fängt der Spaß erst an“, vorzutragen...

Bei der Olympia sind übrigens folgende FPÖ-Politiker „aktiv“:

Martin Graf (Nationalrat), Dietbert Kowarik (Abgeordneter zum Wiener Landtag und Gemeinderat), Norbert Nemeth (FPÖ Klubdirektor), Michael Siedler (Referent im Büro der Nationalratspräsidentin), Harald Stefan (Nationalrat), Alfred Wansch (Abgeordneter zum Wiener Landtag und Gemeinderat)

Zumindest bei diesen Herrschaften ist es unmöglich zu behaupten, dass man „Herrn“ Sellner lediglich flüchtig kennt... Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes hat die Burschenschaft Olympia als rechtsextrem eingestuft.

Martin Sellner und einige andere Mitglieder der Identitären sind auch Mitglied in der Universitätssängerschaft Barden zu Wien. Sellner hat enge Kontakte zu den AfD Politikern Björn Höcke und André Poggenburg und war auch über mehrere Wochen hinweg als Gast in Kubitscheks Haus. Wer ist Götz Kubetschek? Er ist einer der Protagonisten der Neuen Rechten Deutschlands und bringt eine Zeitschrift namens Secession heraus. Er veröffentlichte auch ein Propaganda-Video namens „Ein Prozent für unser Land“. Dieses Video ist fremdenfeindlich und entstand unter Mitwirkung von Martin Sellner. Herr Kubitschek hat auch einen eigenen Verlag und dort wurde Sellners Schrift „Gelassen in den Widerstand“ veröffentlicht.

Martin Sellner unterstützt die deutschen Identitären und ist im Februar 2016 als Redner, bei einer Pegida-Demonstration in Dresden, aufgetreten. 2009 war Sellner bei der Ehrenbekundung am Grab des Jagdfliegers der Wehrmacht – Walter Nowotny dabei. Das Grab gilt als Anlaufstelle für Neonazis. Die Journalistin Nina Horaczek bezeichnet Sellner als „Rechtsextremisten“. Faktum ist, dass Sellner von 2009 bis 2011 zum Umfeld der neonazistischen Website Alpen-Donau.info rund um Gottfried Küssel gehörte. Martin Sellner bestätigte selbst, dass er einst zum Umfeld Küssels gehörte und beschwichtigte dies mit „einer überschwänglichen pubertären Phase“. So ähnliche Worte haben wir doch bereits von Herrn Bumsti Strache gehört. Der war allerdings nur mit der Tochter von Herrn Küssel liiert und hat im Wald mit dem Gottfried ein bisserl Paintball gespielt...

Martin Sellner hat sich nach der Stilllegung von Alpen-Donau.info mit seinen lieben Getreuen in den „Identitären“ seine neue „politische“ Heimat gefunden. Die Gründung der „Identitären“ fand 2013, gemeinsam mit Patrick Lenart und Alexander Markovics statt. Rekrutiert werden die Mitglieder allesamt aus dem neonazistischen Milieu. Zusammen mit Patrick Lenart, betreibt Sellner den Online-Versand namens Phalan-Europa. Es werden dort selbst designte Artikel angeboten. Sellner betreibt auch einen Vlog namens Vlog Identitär (ein Vlog ist ein Videoblog). Auf der Website der „Identitären“ veröffentlicht er „einschlägige“ Beiträge. Die allgegenwärtige Präsenz von Martin Sellner gilt als „ein Lehrstück für die Inszenierung neurechter identitärer Ideologie“ (Zitat Christine Eckes) und weiters: Er grenze sich vom Nationalsozialismus ab, benutze vermeintlich harmloses Vokabular und pflege das Image eines sympathischen netten Jungen von nebenan“.

Was ist das Ziel der Identitären?

Die Bewegung will dafür sorgen, dass sich viele Menschen in ihrer Lebensweise bedroht fühlen. Das Bedrohungsgefühl soll das Bewusstsein für das Eigene, was man keinesfalls verlieren will, stärken. Dies soll über ein Feindbild erreicht werden. Ohne dem Feindbild hätte es nämlich weder Form noch Gestalt...