Donnerstag, 8. Februar 2018

Die Burschenschafter

Vor wenigen Tagen hat Udo Landbauer sämtliche politischen Ämter bei der FPÖ zurückgelegt und seine FPÖ-Mitgliedschaft ruhend gelegt. Er trat noch als Spitzenkandidat für die Freiheitlichen bei den niederösterreichischen Landtagswahlen an und war seines Zeichens auch der Bundesobmann des Rings Freiheitlicher Jugend Österreich. Ruhend gelegt hat er auch seine Mitgliedschaft bei der Burschenschaft namens Marko Germania Wiener Neustadt. Auf die Nachfrage, ob er seine Mitgliedschaft ruhend gestellt oder zurückgelegt habe, reagierte Herr Landbauer säuerlich und bezeichnete dies als „Wortklauberei“. Naja lieber Herr Landbauer, der diesbezügliche Unterschied ist nun einmal gewaltig und bei weitem keine „Wortklauberei“.


Herr Landbauer ist ja auch wirklich arm. Was kann er dafür, dass in seiner Burschenschaft ein Liederbüchlein neu heraus gegeben wurde, in dem es ein so schönes Lied mit unter anderem folgender Textzeile gab: “Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million“. Jetzt einmal ehrlich... wer wird denn schon so wehleidig, wegen einem kleinen Aufruf zum Massenmord sein... solcherlei Textpassagen waren in dem lieben Gesangsbüchlein sowieso geschwärzt und außerdem war der kleine Udo, als das Liederbuch herausgegeben wurde, erst elf Jahre alt...

Der Bumsti Strache hat übrigens auch gemeint, dass die FPÖ rein gar nichts mit Burschenschaften zu tun habe... Diese Aussage ist ein wahrer Meilenstein und an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Der liebe, unschuldige H.C. Strache ist selbst Mitglied bei der Burschenschaft Vandalia Wien. Dafür hat er sogar einen Sonderbeschluss gebraucht, weil er nämlich keine Matura besitzt und diese ansonsten Grundvoraussetzung für die Aufnahme ist. Norbert Hofer ist Burschenschafter bei der Marko Germania, Pinkafeld – diese Marko Germania ist aber auch gewiss ganz anders als jene Marko Germania in Wiener Neustadt... Herr Graf ist Burschenschafter bei der vom österreichischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Olympia und der Herr Gudenus hat sich anscheinend nicht entscheiden können und ist deshalb zur Sicherheit gleich einmal zwei Burschenschaften (Aldania und Vandalia Wien) beigetreten. Doppelt hält halt bekanntlich besser...

Ich halte also noch einmal fest und betone, dass die FPÖ nichts mit Burschenschaften am Hut hat. Es ist lediglich ein Zufall, dass etwa 40% der FPÖ Nationalratsabgeordneten einer Burschenschaft angehören. Ein kleiner Zahlenvergleich: in Österreich gibt es ungefähr 4.000 Burschenschafter. In Prozenten ausgedrückt sind dies ca. 0,04 % der Bevölkerung. Bei 183 Nationalratsabgeordneten dürfte also, rein statistisch betrachtet, kein einziger Mandatar einer Burschenschaft angehören. Witzigerweise „bekleiden“ zwei Burschenschafter sogar einen Ministerposten.

Die Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt

Sie wurde im Jahre 1917 gegründet und hat folgenden Leitspruch: Deutsch und treu in Not und Tod
Die Germania ist eine schlagende Verbindung und lukriert ihre Mitglieder aus der HTL Wiener Neustadt, dem Militärrealgymnasium und aus allen Gymnasien Wiener Neustadts (eh nur aus der Oberstufe). Böse Menschen unterstellen der schlagenden Verbindung, deutschnational und rechtsextrem zu sein. Die 70 Mitglieder kennen keine E-Mails. Sie bezeichnen derlei Nachrichten nämlich als „Strompost“ und weil die Monate Februar und Juni gar so furchtbar grässlich klingen, haben sich die Mitglieder dazu entschlossen ihnen bei Veranstaltungshinweisen, den korrekten altgermanischen Namen „Hornung“ (Februar) und „Brachmond“ (Juni) zu geben.

Die akademische Burschenschaft Olympia

2003 hat man den mittlerweile verstorbenen Neonazi-Sänger Michael Müller eingeladen. Er war damals für sein Lied "Bei sechs Millionen Juden, da fängt der Spaß erst an" bekannt.

Wie begrüßt die Olympia, mögliche neue Mitglieder? Das sieht folgendermaßen aus:
Bist Du normal geblieben, sind Political Correctness und Genderwahn spurlos an Dir vorbeigezogen? Du empfindest Gemeinsinn und Fröhlichkeit als unverzichtbar und betrachtest Aufrichtigkeit, Pflichtbewusstsein und Studienerfolg als Zeichen Deiner Charakterstärke? Dann laden wir Dich ein, die schärfste Burschenschaft Wiens kennenzulernen!

Die Wiener akademische Burschenschaft Teutonia

Die Teutonia hatte seit ihrer Gründung 1868 großen Anteil an der Entwicklung der burschenschaftlichen Bewegung und teilte in ihrer 150jährigen Geschichte das wechselvolle Schicksal der Deutschen in der Habsburger Monarchie und später in der österreichischen Republik...

2010 forderte die Burschenschaft in einem an der Universität Wien verteilten Flugblatt, halb Europa wieder an Deutschland anzuschließen.

Was ist eine Mensur?

Immer wieder taucht bei den schlagenden Burschenschaften der Begriff Mensur auf. Was ist das eigentlich?

In ganz Europa gibt es ca. 400 fechtende Studentenverbindungen. Nach meinem heutigen Wissenstand befinden sich davon 376 in Deutschland, ein paar Dutzend in Österreich, 13 in der Schweiz und je eine in Lettland und Ungarn.

Jährlich sind es etwa 4.000 Studenten, welche eine Mensur austragen. Dieses Antreten mit der blanken Waffe findet nicht öffentlich statt.

Wer zwei Partien austrägt wird vom Fuchs zum Corpsburschen „befördert“. Nach der fünften Mensur ist man ein inaktiver Corpsbursch und ist das Studium beendet, mutiert man zum „Alten Herr“.

Diejenigen, welche eine Mensur austragen nennt man Paukant. Eine Mensur dauert insgesamt 30 Gänge. Manchmal kommt es vor, dass nach diesen 30 Durchgängen, beide Paukanten ohne Verletzung geblieben sind. In der Mehrzahl der Auseinandersetzungen endet die Partie mit einem Treffer, welcher zumeist einen oberflächlichen Schnitt hinterlässt. Dieser blutet und die Verletzung wird an Ort und Stelle genäht.

Wozu ist eine Mensur gut?

Für die Burschenschaften trägt eine Mensur zur Persönlichkeitsbildung bei. Der Paukant muss technisch sauber fechten. Darüber stimmen am Ende die Corpsbrüder ab. Für einen technisch, sauberen „Kampf“, hat der Paukant die nötige Disziplin aufzubringen. Darunter versteht man, dass man bei der Mensur niemals zurückweichen darf. Die Partie muss, trotz der „Chance“ verletzt zu werden, ohne dem Anzeichen einer Furcht zu Ende gebracht werden. Die Burschenschafter verstehen darunter, dass man Moral zeigt. Es geht darum, salopp formuliert, die Muttersöhnchen herauszufiltern. Die Extremsituation, in welcher sich sämtliche Paukanten befinden, schweißt sie eng zusammen und diese gemeinsame Erfahrung festigt „das Band fürs Leben“. Oftmals tragen die Burschenschafter das Band der Verbindung mit dem getrocknetem Blut von ihren eigenen Mensuren, stolz um die Brust.

Bei den Kämpfen gibt es jeweils einen Sekundanten, welcher von Kopf bis Fuß geschützt ist. Er kann und darf mit einem Schläger mit stumpfer Klinge zwischen die Paukanten springen, für den Fall, dass sich einer der Beiden verschlägt oder gar die Gefahr besteht, dass der eigene Mann verletzt wird. Beide Sekundanten fallen ein, wenn ein Gang mit jeweils vier Hieben vorbei ist. Sie dürfen können und sollen dem Unparteiischen, Regelverstöße anzeigen. Der Unparteiische ist übrigens ein erfahrenes Mitglied einer dritten Verbindung. Dieser sagt von sich aus überhaupt nichts . Er richtet erst dann, wenn es eine Beschwerde gibt. In den Pausen der Mensur kommt, im wahrsten Sinne des Wortes, die Arbeit des Schleppers zu tragen. Er hält den Arm des Fechters auf dessen Brusthöhe, damit seine Muskeln entlastet werden. Außerdem gibt er Fechtanweisungen. Ein Testant hat wiederum die Aufgabe, nach jedem Gang die Klinge zu desinfizieren. Dies hilft, um der Infektion einer etwaigen Wunde vorzubeugen.

Das Ende der Partie ist erreicht, wenn entweder die maximale Anzahl der Gänge erreicht ist, einer der Paukanten einen Fehler macht oder es einer der beiden anwesenden Ärzte anordnet.

Was ist die schlimmste Verfehlung eines Paukanten?

Dies ist eindeutig dann, wenn man seinen Kopf im Gang bewegt. Zur Klarstellung: Nicht einmal dann, wenn man seine Deckung verloren hat und sieht wie sich die scharfe Klinge des Gegners auf einen zubewegt, darf man sich wegdrehen oder gar ducken. Dies ist ein Zeichen von Schwäche und nicht nur verpönt sondern auch streng verboten. Sollte jemand so dreist sein und seinen Kopf bewegen, so hat er, um die eigene „Reinigung“ wieder herzustellen, eine zusätzliche Partie zu bestreiten. Mindestens genau so wichtig ist, dass der Verlierer des Kampfes – obwohl es ja offiziell gar keinen Verlierer gibt... den Gewinner zu einem Bierjungen einlädt... Dieser auch Biermensur genannte Trinkwettkampf soll der Legende nach als eine Parodie auf die studentische Mensur entstanden sein. Nun geht es darum zwei halbe Liter in sich hinein zu kippen... Meistens gehen diese Duelle „a tempo“ also unentschieden aus...

Abschließend sei noch erwähnt, dass die Wunden, welche bei den Mensuren entstehen und zu Narben führen, von den Trägern stolz als Schmisse bezeichnet werden...