Freitag, 9. Februar 2018

Die Annäherung zwischen der EU und den Mercosur-Staaten

Lediglich zwanzig Jahre sind seit dem Beginn der Verhandlungen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur vergangen, bis es nun zu den Abschlussverhandlungen kommen könnte. In den nächsten Wochen muss es allerdings klappen, weil im Oktober dieses Jahres wird in Brasilien gewählt und es ist nicht sicher, ob die neu gewählte Regierung dem Handel mit Brüssel auch so offen gegenübersteht. Jetzt oder nie, heißt die Devise in den Verhandlungsgesprächen.


An welchen Punkten knackt es noch? Wir Europäer müssen es mit der Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte aus Südamerika lockerer nehmen und die Südamerikaner müssen bei der Einfuhr von Autos, Milchprodukten und Fisch nachsichtig sein. Dies wird aus den Verhandlungsteams der EU verlautbart.

Derzeit müssen für 85 % der EU-Exporte nach Mercosur, Zoll bezahlt werden. Uns Europäer kostet dies etwa vier Milliarden Euro. Umgekehrt wollen vor allem Argentinien und Brasilien von den zukünftigen, vermehrten Handelsbeziehungen mit Europa profitieren.

Beide Verhandlungsteams sprechen seit Neuestem nicht mehr von der Möglichkeit des Scheiterns sondern nur noch von der Umsetzung der gemeinsamen Normen und Standards. Für die EU handelt es sich, um das Fortsetzen eines bereits eingeschlagenen Weges. Hat man im September das umstrittene Bündnis CETA mit Kanada geschlossen, so folgte im Dezember ein Abkommen mit Japan.

Bei Greenpeace befürchtet man allerdings, dass man am Ende der Verhandlungen, den Mercosur-Staaten viele Zugeständnisse machen wird, um den großen Firmen neue Absatzmärkte zu sichern. Wie der Zuckerrohr angebaut oder unter welchen Bedingungen das Rindfleisch produziert wird, könnte bei den Verhandlungen in den Hintergrund geraten. Es ist viel mehr davon auszugehen, dass Europa seine Standards senken wird...

Es geht nicht nur um die Möglichkeit Gammelfleisch aus Brasilien auf den heimischen Teller zu bekommen. Warum Gammelfleisch? Vor ziemlich genau einem Jahr wurden der Reihe nach Inspektoren in den Schlachthöfen bestochen, um das Gammelfleisch durchgehen zu lassen. Die Kontrollen in Brasilien sind nun einmal... wie nenne ich es vorsichtig... sehr mangelhaft. Ist ja nicht so wichtig. Schließlich will man doch nicht den Freihandel mit dem weltweit größten Fleischexporteur aufs Spiel setzen. Es scheint so, als ob man sich in Zukunft bereits auf Schnelltests geeinigt habe... Mahlzeit!