Freitag, 23. Februar 2018

Indonesien – keine Probleme mit dem religiösen Extremismus – bis jetzt...

2018 werden in 17 der 34 Provinzen die Gouverneure und Parlamente, 2019 das indonesische Parlament und der Präsident gewählt. Indonesien hat ca. 260 Millionen Einwohner und 87 % davon sind muslimischen Glaubens. Es handelte sich für viele Jahre, um jenes Land welches als Vorzeigemodell für islamische Toleranz stand. Die Religionsfreiheit ist in der Verfassung verankert und die unterschiedlichsten Religionen lebten, weitgehend, friedlich zusammen.

Seit Mitte 2016 gibt es allerdings auch in Indonesien eine Welle des islamistischen Populismus, welche auf das Land hereinstürzte.

Kehren wir zurück in das Jahr 2014. Der damalige Gouverneur der indonesischen Hauptstadt Jakarta „Jokowi“ Widodo, wurde zum Präsidenten gewählt. Sein Nachfolger als Gouverneur wurde Basuki „Ahok“ Tjahaja Purnama. Er ist Protestant, chinesischer Abstammung. Er gehört also einer doppelten Minderheit an. Von den muslimischen Hardlinern wurde er umgehend abgelehnt. Eine unbedachte Äußerung Ahoks im September 2016 führte dazu, dass man ihn der Blasphemie gegenüber dem Islam bezichtigte. Im November und Dezember 2016 wurden in Jakarta Demonstrationen mit Hunderttausenden Muslimen organisiert - „zur Verteidigung des Islam“.


Der Gründer der ultra-konservativen Islamischen Verteidigungsfront Habib Rizieq hat die Demonstrationen dazu genutzt, um sich selbst zum geistlichen Oberhaupt des indonesischen Islam zu küren. Habib Rizieq hat sich immer wieder damit „hervorgetan“, dass er Schlägertrupps auf Karaoke-Bars loslässt, um diese zu überfallen und er unterstützt, „selbstverständlich mit Gewalt“ Proteste gegen neue Kirchen...

Im April 2017 hat Gouverneur Ahok seinen Antritt zur Wiederwahl als Gouverneur von Jakarta, mit einem unerwartet schlechten Ergebnis verloren. Im Mai 2017 wurde er „auf Druck der Demonstranten“, vom Gericht zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe, wegen Blasphemie, verurteilt. Habib Rizieq Shibab wurde allerdings seinerseits ebenso vor Gericht gezerrt. Grund: Gotteslästerung gegen den christlichen Glauben und außerdem noch pornografische Inhalte auf seiner Facebook-Seite. Er zog sich daraufhin nach Mekka zurück.

Inzwischen haben die islamistischen Hardliner-Gruppierungen sich „neu gegründet“. Der neue Name lautet „Alumni 212“. Dieser spielt auf die Anti-Ahok-Demonstration am 2. Dezember 2016 an. Ahok hat vor am 21. Februar (212) zurückzukehren, um sofort die Führung zu übernehmen. Seine radikalen Freunde haben Präsident Jokowi bereits eindringlich davor gewarnt Ahok verhaften zu lassen.

Die indonesischen Bevölkerung ist sich der Gefahr für das Land durch eine religiöse Radikalisierung bewusst. Letzte Weihnachten sprangen viele Muslime über ihren Schatten und wünschten den Christen fröhliche Weihnachten. Diese Geste war unter den Muslimen bisher stark umstritten. Es nahmen erstmals auch führende muslimische Politiker an den Weihnachtsfeierlichkeiten der christlichen Parlamentsabgeordneten teil.

Der Erfolg oder Misserfolg des islamischen Populismus hängt davon ab, ob die Regierung unter Präsident Joko Widodo das Versprechen halten kann, die wirtschaftliche Situation der ärmeren Hälfte der Nation zu verbessern. Wenn dies gelingt und die Mehrheit der Unter- und Mittelschicht das Gefühl hat, dass das bestehende System ihnen eine bessere Zukunft ihre Kinder ermöglicht, werden sie sich nicht dem Extremismus zuwenden... Kennen wir eine ähnliche Situation in Europa?