Montag, 24. August 2015

Das Flüchtlingslager Traiskirchen

Es war und ist mir wichtig, meine eigenen Eindrücke aus dem Flüchtlingslager Traiskirchen in Erfahrung zu bringen und deshalb bin ich hingefahren, um mit Asylwerbern, Anrainern und Mitarbeitern von der Betreiberfirma ORS zu sprechen.

Das ausführlichste Gespräch mit den Bewohnern von Traiskirchen konnte ich mit jener Dame führen, welche seit 40 Jahren in Traiskirchen wohnt und ihr Haus genau vis a vis vom Flüchtlingsheim hat. Sie erzählte mir, dass ihr die Flüchtlinge sehr leid tun. Noch nie waren so viele hier untergebracht und niemals zuvor waren die Zustände so desaströs wie in den letzten Wochen.



Entgegen der offiziellen Darstellung wonach Mütter mit Kleinkindern, oder gar Babys, nicht mehr im Freien schlafen müssen, kann mir die Frau gegenteiliges berichten. Ich selbst sehe später ein etwa drei Monate altes Baby im Arm seiner Mutter und einige Kleinkinder.



Die Nachbarin berichtet mir davon, dass seit etwa drei Wochen viele Private kommen, um zu helfen. Nicht immer sei die Hilfe, welche den Asylwerbern zugute kommt, ihrer Ansicht nach sinnvoll. Sie erzählt von Krawatten, Vorhängen, welche den Flüchtlingen überreicht werden... Sie unterhält sich oftmals mit den Heimbewohnern, welche vor ihrem Zaun herumlungern. Kein Wunder allerdings wenn sie nicht arbeiten dürfen, so die Aussage der Frau. Sehr angenehm sei das natürlich auch nicht immer, wenn hier fast den ganzen Tag bis zu 50 Menschen vor dem eigenen Garten stehen oder sitzen und sich laut unterhalten. Der Hund traut sich nur mehr zeitig in der Früh und spät abends „Gassi gehen“...



Briefe an den Landeshauptmann von Niederösterreich (Erwin Pröll) zur Verbesserung der Situation in Traiskirchen nützen nichts. Er hat sich hier noch nicht einmal blicken lassen. Dafür ist er sich wohl zu fein, der gute Herr... Sie könne es nicht verstehen warum man die Flüchtlinge nicht einfach auf mehrere Städte oder Gemeinden aufteilt. Es wäre besser für sie und die Bevölkerung. Man könnte sie besser betreuen und die Integration würde einfacher verlaufen...



Der überwiegende Teil der Bevölkerung lehnt Gespräche über die Flüchtlinge ab. Sie wollen nichts mehr davon hören und schon gar nicht mehr darüber reden. Sie fühlen sich von den Politikern im Stich gelassen. Der eigene Bürgermeister wird mehrmals gelobt. Landeshauptmann Pröll hingegen, scheint in Traiskirchen zum Staatsfeind geworden zu sein. Die Bundesregierung kommt zwar in den wenigen Gesprächen auch nicht besonders gut weg, aber man anerkennt, dass zumindest Bundespräsident Fischer und Bundeskanzler Faymann hier waren, um die Lage vor Ort zu sehen. Ganz im Gegensatz zum Herrn Strache, welcher nur ein Großmaul ist und sich einen Dreck um die Bevölkerung hier schert. Man berichtet mir davon, dass es vor etwa zehn Tagen hier im Flüchtlingslager zu Angriffen von Afrikanern (meistens war von Somaliern die Rede) auf Bürger aus Afghanistan gekommen sei. Es sei versucht worden ein Zelt anzuzünden und es habe eine regelrechte Menschenjagd stattgefunden.



Ich habe auch mit vorwiegend afghanischen Flüchtlingen, sprechen können. Einer von ihnen hieß Riezo. Er erzählte mir von seiner Flucht und das er hier nunmehr seit einem Monat und einer Woche untergebracht ist. Er versicherte mir, dass sich das Essen in den letzten beiden Wochen gebessert hat. Als er hierher kam musste man in einer Warteschlange oft bis zu drei Stunden warten bis man sein Essen bekam. Derzeit kommt man innerhalb weniger Minuten dran. Er schläft übrigens ebenfalls in einem Zelt, weil drinnen nur Plätze für Familien vergeben werden.



Nachdem ich hauptsächlich mit jenen Menschen sprechen konnte (durch den Zaun hinweg) welche in den Zelten wohnten, erzählten mir die Menschen davon wie schwierig es sei wenn es geregnet habe. Von den Bewohnern Traiskirchens habe ich übrigens erfahren, dass es den Privaten angeblich untersagt wurde, den Flüchtlingen Zelte zu geben. Bei der Menge an Zelten welche ich gesehen habe, dürfte sich allerdings (wenn es überhaupt wahr ist) kaum jemand daran halten. Vermutlich sind derzeit etwa 300 Zelte aufgestellt. Diese sind zwar jeweils nur für ein oder zwei Personen gedacht, aber nachdem was ich gesehen habe, sind wohl jeweils doppelt so viele Menschen drinnen untergebracht. Die Flüchtlinge in den Zelten eint vor allem die Sorge vor den kalten Jahreszeiten. Man hofft darauf rechtzeitig davor, in ein anderes Quartier verlegt zu werden. Viele Flüchtlinge bedanken sich übrigens bei mir für die hilfreiche Bevölkerung und wünschen sich vor allem Obst und Gemüse zu bekommen. Im Lager bekomme man dies nämlich nur sehr selten.



Ein Skandal spielt sich allerdings im Inneren des Flüchtlingsheims ab:



Täglich werden Frauen während der Duschzeiten von anderen Bewohnern sexuell missbraucht. Das habe ich von den Bewohnern, der einheimischen Bevölkerung und von freiwilligen Helfern gehört. Es gibt zwar Duschzeiten welche nur für die Frauen sind, allerdings passt die hiesige Security nicht auf sie auf. Weil es nicht einmal Duschvorhänge gibt, ist es den Heimbewohnern möglich, die Duschenden durch das Fenster zu begaffen. Haben die Frauen „Glück“ bekommen sie nur perverse Anzüglichkeiten zu hören und entblößte Männer zu sehen... Haben Sie Pech, dann steigen einige durch das Fenster ein, um sich den Frauen gewaltsam zu nähern... Die Security hat davon allerdings noch nie etwas mitbekommen und auch die ORS habe davon noch nie gehört...



Ich selbst habe keinen einzigen Mitarbeiter der Security in irgendeine Form von Gespräch verwickeln können... Ich finde es auch sehr befremdend, dass es Ärzten, NGOs, Bloggern und Journalisten nicht gestattet ist in das Lager zu kommen...



Nachdem ich einige Zeit in Neudörfl gewohnt habe und sich dort ein Flüchtlingsheim befindet, habe ich einen direkten Vergleich welcher Traiskirchen diesbezüglich in ein furchtbares Licht stellt. In Neudörfl kann jeder das Areal betreten, mit den Flüchtlingen in Kontakt treten und wenn man will, selbstverständlich auch gerne mithelfen. Bereits bei meinem ersten Besuch wurde ich von den damaligen Bewohnern mit offenem Herzen empfangen und zum Frühstück eingeladen...



Ein Flüchtlingsheim sollte nicht von einem privaten, auf Gewinn orientierten Unternehmen geleitet werden. Es sollte die Aufgabe von Profis, z. B. der Caritas, sein.



Wir Österreicher haben allerdings auch oft eine falsche Vorstellung davon was die Flüchtlinge eigentlich brauchen. Sie benötigen zuallererst psychologische Betreuung. Sie müssen ihre Kriegs- und Fluchterlebnisse verarbeiten, um wieder „halbwegs normal“ zu funktionieren. Dazu braucht es einer Vielzahl von Sozialarbeitern und Psychologen. Wenn diese nicht zur Verfügung gestellt werden, dann handelt es sich um nichts anderes als eine Verwaltung von Menschen.



Die Menschen brauchen außerdem eine Beschäftigung. Wenn jemand aus Afghanistan, Syrien oder dem Irak kommt, so wird er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei uns bleiben dürfen. Es wäre also sinnvoll, wenn diese Leute sofort (vom ersten Tag an) einen Deutschunterricht bekommen. Es ist unerlässlich die Sprache jenes Staates zu lernen indem man sich aufhält und bleiben will. Die Sprache ist der wichtigste Schritt zur Integration.



Den Flüchtlingen ist es übrigens nicht so wichtig, ob sie ein schönes Bett haben. Es reichen ihnen Matratzen und das tägliche Essen. Jene Menschen, welche ihre Heimat verlassen haben weil es dort Krieg gibt und auch die Flucht kein Honiglecken war, sind über eine tägliche Mahlzeit und eine Matratze, in einem Land in dem Frieden herrscht, sehr glücklich.



In meinen persönlichen Gesprächen habe ich oftmals mitbekommen wer mit der Situation im Flüchtlingslager, trotz allem, sehr zufrieden ist und wem im Gegensatz dazu alles zu schlecht ist und ständig nur fordert...