Montag, 17. Juli 2017

Aleppo kommt nicht zur Ruhe

Der Franziskanerpater Ibrahim Alsabagh schildert in einem Interview mit Radio Vatikan die derzeitige Lage in der „befreiten Stadt“. Jene zwischen Donald Trump und Vladimir Putin ausgesprochene, syrische Waffenruhe existiert nur in der Theorie. Faktum ist jedoch, dass die Stadt weiterhin Bombenanschlägen und sogar Raketenangriffen durch Marschflugkörpern ausgesetzt ist, welche von außerhalb der Stadt abgefeuert werden. Elektrizität bzw. Internet gibt es kaum bis gar nicht und Wasser steht der Bevölkerung auch nur sporadisch zur Verfügung.

Wer hinter den Angriffen steht, weiß keiner. Die Vermutungen reichen von der IS bis hin zu anderen Rebellen oder/und Terrorgruppen. Die Bevölkerung hat keine Ahnung, ob es jetzt endlich vorbei ist und sie nun mit dem Wiederaufbau beginnen kann oder ob der Horror noch auf unabsehbare Zeit weitergeht.

Wie gespalten das Empfinden der Bevölkerung ist kann man daran erkennen, dass viele Menschen die Grenzen der Leidensfähigkeit erreicht haben und jetzt die Stadt verlassen, während gleichzeitig die ersten Personen wieder zurückkommen. Nicht nur in Aleppo sondern in ganz Syrien gibt es das Problem, dass viele Familien getrennt leben. Der eine Teil ist hier geblieben, der Andere befindet sich in Europa.

Pater Ibrahim Alsabagh spricht im Interview davon, dass Syrien so gut wie zerstört sei. Es fehlt an Arbeit, Strom und Wasser. Dieses vor wenigen Jahren noch blühende und wirtschaftlich erfolgreiche Land ist derartig zerstört, dass man sich nun in vollständiger Abhängigkeit vom Ausland befindet.

Wie es mit dem Land weitergeht, wird viel von den syrischen Frauen abhängen. Bereits bei der syrischen Revolution im März 2011, marschierten die Frauen an vorderster Front gegen das Regime. Die Frauen organisierten Demos, kochten für die Aktivisten und motivierten die Menschen zu den Demos zu gehen. Junge Männer wurden von ihnen als Feigling beschimpft, weil diese sich nicht getrauten mitzumarschieren. Es gibt nichts schlimmeres für einen syrischen Mann als von einer Frau als Feigling bezeichnet zu werden... Der syrische Mann ist im Gegensatz zur Frau nicht in der Lage anzupacken sondern schwingt lieber nur große Reden. Die Männer können zwar nicht organisieren, filmten aber unter Lebensgefahr, Beweise für das unmenschliche Handeln des Regimes gegen die eigene Bevölkerung. Viele Kameraleute mussten diese Aufnahmen mit ihrem Leben bezahlen.

Syrien braucht nun, wie wir nach dem zweiten Weltkrieg, die Trümmerfrauen und die Herren der Schöpfung müssen sich jetzt dringend etwas von den Frauen abschauen und ebenso anpacken und damit meine ich nicht das Kriegsgerät...