Donnerstag, 6. Juli 2017

Willkommen in der Welt der Gaffer!

Es ist ein Unfall passiert, es brennt in der Nähe, ein Mensch ist im Begriff im Schwimmbad zu ertrinken...

Das Ranking der to-do Liste dieser kranken und gewissenlosen Menschen

Das Wichtigste ist die Informationspflicht! Nimm Dein Smartphone fest in die Hand und mache unverzüglich Fotos von diesem unglaublichen Ereignis. Versuche es möglichst nahe heran zu zoomen und überlege während Du diese genialen Aufnahmen machst, wie Du sie monetär nutzen kannst. Wirst Du die Fotos/das Video an eine Zeitung oder einen TV-Sender verhökern oder wäre es klüger diese auf Deinem eigenen Youtube Kanal oder dem eigenen Blog zu veröffentlichen.


Rufe umgehend die Kronen-Zeitung, die Heute und die Österreich an und biete Deine Top-Infos und Fotos gegen ein entsprechendes Salär an. Es ist wichtig der Erste zu sein, sonst macht ein anderer das Geschäft und Du steigst leer aus.

Falls Du gar kein Interesse hast diese Aufnahmen finanziell zu nutzen, lade Deine Freunde und Bekannte zum monatlichen Happy-Gaffer-Day zu Dir nach Hause ein. Bei einigen Flaschen Bier und ein paar Packungen Chips und Popcorn, kannst Du voller Stolz Deine Fotos und Videos des letzten Monats vorführen. Schildere genussvoll wie grauslich die jeweiligen Ereignisse, welche Du zum Glück fotografisch festhalten konntest, waren. Prahle mit der Anzahl der Toten und Verletzten, welche Du diesmal wieder auf Foto und Video bannen konntest.

Erzähle wie angefressen Du warst, als wahlweise Polizei-, Feuerwehr- oder/und Rettungskräfte Dich zur Seite geschubst oder gar beschimpft haben, weil Du angeblich sinnlos im Weg gestanden bist. Erinnere Dich mit Schaudern daran, dass Dich ein Uniformierter mit einer Geldstrafe bedrohte, nur weil Du nicht die Rettung verständigt hast – als ob es Deine Aufgabe wäre sämtliche Telefonnummern auswendig zu wissen.

Versprich Deinen Freunden, beim nächsten Mal an sie zu denken und falls sich ein grausliches Ereignis in ihrer Nähe abspielt, sie umgehend davon in Kenntnis zu setzen. Gib ihnen somit die Chance, selbst am Ort des Geschehens einzutreffen und sich am Anblick der hilflosen Personen zu ergötzen. Derartige Ereignisse helfen einem schließlich zu begreifen, dass es einem selbst echt gut geht und man wird mit seinem eigenen Leben gleich viel zufriedener.

Solltest Du dummerweise als Erster bei einer Person sein, welche beispielsweise durch einen Herzinfarkt gerade keinen Pulsschlag mehr hat, dann versuche ja nicht ihr zu helfen und sie ins Leben zurückzuholen. Du könntest schließlich etwas falsch machen und ihr weh tun. Gib dies als durchaus logische und vernünftige Meinung auch beim Eintreffen der Rettungskräfte bekannt. Bestimmt wird man Dich dafür loben, dass Du nichts falsch gemacht hast... und wenn mit der Reanimation begonnen wird, dann zählt nur eines: fotografieren und filmen...