Donnerstag, 28. November 2019

Das Bitcoin-Halving

Am 3. Jänner 2009 wurde der erste Bitcoin-Block, der sogenannte Genesis-Block erstellt. Mit jedem abgebauten Block erhöht sich die Anzahl der im Umlauf befindlichen Bitcoins. Der Block-Reward welcher etwa alle zehn Minuten und rund um die Uhr, unter die Miner ausgeschüttet wird, beträgt derzeit 12,5 Bitcoins. Bis zum Jahre 2140 wird die Anzahl der Bitcoins erhöht und zwar so lange, bis die Maximalmenge, welche durch einen Code festgelegt wurde, von 21.000.000 Bitcoins erreicht ist.

Derzeit befinden sich etwas mehr als 18.000.000 Bitcoins im Umlauf. Warum dauert es noch so lange, bis die restlichen 3.000.000 Bitcoins abgebaut sind, wenn wir für die ersten 18 Millionen Bitcoins nur elf Jahre gebraucht haben? Dies liegt daran, dass im Bitcoin-Code festgelegt wurde, dass jedes Mal, wenn 210.000 Blöcke abgebaut sind, die Belohnung für einen Block um die Hälfte reduziert wird. Dafür vergehen ca. vier Jahre.

Bisher hat es erst zwei Bitcoin-Halvings gegeben. Zu Beginn wurden als Belohnung 50 BTC verteilt und nach dem ersten Halving im November 2012 waren es 25 BTC. Nach dem zweiten Bitcoin-Halving sank die Vergütung auf 12,5 BTC und im Mai 2020 wird sich die Belohnung auf 6,25 BTC verringern. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt bis der letzte Bitcoin kreiert und in den Umlauf gekommen ist.

Welche Auswirkungen hat das Bitcoin-Halving?

Theoretisch sorgt das Halving, gepaart mit der maximalen Anzahl an Bitcoins, für eine Verknappung und damit verbunden eine deflationäre Preisentwicklung. Es sollte also einen steigenden Bitcoin-Preis geben. Es klingt wie das simple 1x1. Weniger Angebot und höhere Nachfrage = steigender Preis. Wir finden dazu passende Vergleiche bei Gold und Silber. Diese Güter werden von den Menschen bereits seit tausenden Jahren als wertvoll erachtet. Einer der wichtigsten Gründe dafür ist ihr begrenztes Vorkommen. Jedes Jahr kann nur eine geringe Menge an Gold und Silber geschürft und in den Umlauf gebracht werden – ganz genau so wie beim Bitcoin. Beim Bitcoin wissen wir, im Gegensatz zu den beiden Edelmetallen, dass sich das Angebot alle vier Jahre halbiert.

Eine in Börsenkreisen verwendete Berechnungsmethode welche sich S2F-Modell (Stock-to-Flow-Modell) bezeichnet, sagt für den Bitcoin im Dezember 2020 einen Preis von 50.000 US-Dollar und für Ende 2025 für 1.500.000 US-Dollar voraus.

Wie funktioniert das Stock-to-Flow-Modell?

Es wird bei Hedgefonds angewandt und es handelt sich dabei um das Verhältnis zwischen bestehendem Supply und der hinzugefügten Geldmenge, dem Flow. Je größer der Kapitalstock eines Gutes im Verhältnis zur Inflation, desto höher die S2F-Rate.

Beispiel:
Gold hat einen Stock von ca. 185.000 Tonnen und einen jährlichen Zuwachs von 3.000 Tonnen, was zu einer Inflationsrate von 1,6 % und einem S2F-Verhältnis von 62 führt. Nach den aktuellen Zahlen würde es also 62 Jahre dauern, bis der heutige Bestand an Goldreserven verdoppelt würde. Dies macht Gold zu einem seltenen und wertvollen Gut.

Die aktuelle Umlaufmenge der Bitcoins beträgt knapp mehr als 18 Millionen Coins. Jetzt brauchen wir nur noch gegenüberstellen wie viele Coins jährlich dazu kommen und schon haben wir die aktuelle S2F-Rate. Selbst die Bayerische Landesbank hat bestätigt, dass das Berechnungssystem Gültigkeit besitzt. 

Wer will kann sich den S2F-Kursverlauf auf folgender Seite anschauen https://digitalik.net/btc/

Das S2F-Modell hat einen einzigen, aber gewaltigen Haken. Es berücksichtigt nur die Angebotsmenge. Es wird nicht berücksichtigt, dass man einen ständigen Investitionszufluss braucht, um den jeweils gültigen Bitcoin-Preis zu halten. Für nunmehr 8.000 US-Dollar braucht man, bis zum nächsten Halving, fast drei Milliarden US-Dollar.

Nachdem das Bitcoin-Halving kein überraschendes, sondern geplantes Ereignis ist, gibt es viele Interpretationsmöglichkeiten.

Fakt ist, dass es stattfindet und es bei den bisherigen zwei Halvings einen steilen Preisanstieg gegeben hat. Ob es diesmal auch so sein wird, kann nicht zweifelsfrei beantwortet werden, weil zwei Ergebnisse nicht unbedingt eine sehr aussagekräftige Menge an Ereignissen sind, welche wir für zukünftige Prognosen heranziehen können. Es ist möglich, dass das kollektive Wissen über ein bevorstehendes Event und deren möglichen Auswirkungen bereits in den laufenden Kurs eingepreist wurde. Immerhin befand sich der Bitcoin-Preis anfang des Jahres auf bescheidenen 3.000 US-Dollar.

Es darf auch nicht vergessen werden, dass sich bei den früheren Bitcoin-Halvings, die Kryptowelt noch im Kindergartenalter befand. Bewertungsrahmen hat es nur unzureichend gegeben und man kann davon ausgehen, dass es sich diesmal durchaus anders entwickeln kann, als bei den bisherigen Halvings.

Ich glaube, dass sich der Preis trotzdem nach oben entwickeln wird, weil alle jene, welche die Geschichte vom Bitcoin Halving und seinen Einfluss auf den Bitcoin-Kurs kennen an diese für alle Zeit glauben wollen. Es verhält sich damit wie eine selbst erfüllende Prophezeiung. Der Kurs wird steigen, weil die Nachfrage durch das Halving zusätzlich stimuliert wird und immer mehr Investoren in Kryptowährungen einsteigen, um dort das schnelle Geld zu verdienen. Es ist aber nicht der Sinn und Zweck für welchen´ dezentrale Kryptowährungen erfunden wurden.

Zurück zum Stock-fo-Flow-Modell. Dieses Modell funktioniert nur dann, wenn die zukünftige Nachfrage größer gleich der aktuellen Nachfrage ist.

Zukünftige Investoren werden das asymmetrische Gewinn-/Risiko- Verhältnis berücksichtigen. Die derzeitigen Kosten für Bruchstücke eines BTC sind vergleichsweise überschaubar und der Gewinn, welcher diesem Risiko gegenübersteht, wenn man dem S2F-Modell glaubt, ist um ein vielfaches höher. Sollte das Modell Recht behalten, dann investiert man heute 8 US-Dollar für 0,001 BTC und der Wert steigt bis Ende 2025 auf 1.500 US-Dollar.

Die Frage sollte vielleicht gar nicht lauten, ob man sich Bruchteile eines Bitcoins leisten kann, sondern ob man es sich leisten kann auf Bruchteile eines Bitcoins zu verzichten...


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen