Donnerstag, 25. November 2021

Wie sucht und findet man Leben im All, welches man nicht kennt?

Was passiert, wenn wir versuchen uns etwas vorzustellen, das wir noch nie zuvor gesehen haben? Wir überlegen uns wohl zuerst, ob wir irgendetwas kennen, welches dem ähnlich ist und so aussehen könnte. Nachdem dies sehr schwierig ist, versuchen wir auf der Suche nach außerirdischem Leben, vor allem jenes zu entdecken, welches wir auf irgendeine Art und Weise kennen. Eine der wichtigsten Fragen ist wohl, wie wir es schaffen können, unseren diesbezüglichen Horizont zu erweitern.

Eines der Top-Beispiele dazu stammt aus der Physik. James Chadwick hat 1932, in einem Labor, ein Neutron entdeckt. Der schlaue Ley Landau hatte die Idee und Vorstellung, dass es möglicherweise sogar Sterne aus Neutronen geben könnten. Bis zum heutigen Tag haben die Astronomen, alleine in unserer Milchstraße, mehr als 100 Millionen Neutronensterne entdeckt und für alle jene, welche sich folgendes vorstellen können sei erwähnt, dass im bisher beobachtbaren Universum die eine Milliarde fache Menge an Neutronensterne existieren könnte.

Bei einem LIGO-Experiment wurden vor kurzem Gravitationswellensignale von Kollisionen zwischen Neutronensternen in kosmologischen Entfernungen nachgewiesen. Die Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass durch diese Kollisionen ein, für uns, äußerst kostbares Gut entsteht – es nennt sich Gold.

Was lernen wir daraus, für unsere Suche nach außerirdischen Lebensformen?

Wenn sich Physiker etwas Neues vorstellen können, welches im Universum existiert, dann sind wir auch in der Lage danach zu suchen.

Die Menschheit ist bereits in der Lage, im Labor synthetisches Leben herzustellen. Nachdem uns das gelungen ist, können wir uns garantiert auch leichter vorstellen, dass in einer anderen Umgebung, auch die Entstehung von Leben anders abgelaufen ist, als wir es von der Erde kennen.

Nehmen wir doch als praktisches Beispiel einfach das Kochen. Mit denselben Zutaten können wir, in unterschiedlicher Menge und Zubereitung, andere Speisen hervorzaubern und ein Gulasch schmeckt auch nicht bei jedem Koch gleich.

Bei der Erschaffung von synthetischem Leben müssen wir jedenfalls gewaltig aufpassen, dass nichts aus dem Labor entkommt und dadurch eine Umweltkatastrophe passiert. Möglicherweise würde dadurch jenes Leben, wie wir es kennen, gefährdet oder gar zerstört.

Ja, es ist wahr, dass wir in der Ferne vor allem nach biologischen Signaturen suchen, welche sich auf der Planetenoberfläche befinden könnten. Je mehr ich mich allerdings mit dem Thema der Suche nach außerirdischen Lebensformen beschäftige, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass dieses Leben wohl zumeist unter der Oberfläche vorkommt. Höhlen, welche tief in den Untergrund eines Planeten hineinreichen, extrem dicke Eisschichten mit darunter befindlichen Ozeanen wären ein viel besserer Schutz vor Meteoriteneinschlägen oder/und extremen Temperaturen.

Auf den Monden Enceladus oder Europa ist die Wahrscheinlichkeit besonders groß, dass sich unter einer dicken Eisoberfläche, ein gewaltiger Ozean befindet. Wer weiß, welche bizarre und/oder intelligente Lebensformen dort vorhanden sind.

Wir dürfen keinesfalls zulassen, dass wir unserer Fantasie Grenzen setzen. Auf unserem derzeitigen Heimatplaneten haben wir erst vor kurzem entdeckt, dass es gefrorene mikroskopisch kleine Tiere gibt, welche im sibirischen Permafrost, 24.000 Jahre überlebt haben. Das ist aber noch gar nichts gegen die Entdeckung, dass mikrobielles Leben in der Lage ist, 100 Millionen Jahre unter dem Meeresboden zu überdauern. Ihr Geburtsdatum liegt also in der Kreidezeit (in der Tropenwelt). Sie entstanden also zu jenem Zeitpunkt, als gerade die Dinosaurier den Planeten Erde beherrschten.

Wenn wir jetzt einmal unser eigenes, kleinen Sonnensystem betrachten, dann haben die Wissenschaftler*innen schon längst festgestellt, dass unsere nächsten Nachbarn, der Mars und die Venus, erdähnliche Bedingungen vorweisen. Auf dem Mars wird derzeit, akribisch genau, nach Spuren von Leben, egal ob aus der Gegenwart oder der Vergangenheit, gesucht. Möglicherweise wird Leben durch Gesteine transportiert. Diesen Prozess nennt man Panspermie. Das Leben reist also von einem Planeten zum anderen. Der Überbringer des Lebens könnte durch Asteroiden erfolgen und ja es gibt die zugegeben eher unwahrscheinliche, aber doch vorhandene Möglichkeit, dass das Leben im inneren Sonnensystem von einem „extrasolaren Gärtner“ ausgesät wurde. Das wäre dann die „gerichtete Panspermie“.

Wenn es unseren Wissenschaftler*innen gelingen sollte ein Rezept für künstliches Leben herzustellen, welches uns ermöglichen würde, uns ein weit intelligenteres Leben vorzustellen, als alles was wir bisher kennen, dann wäre das genial und gleichzeitig ein Schock. 

Gedankenexperiment

Stellt euch doch einfach einmal zehn verschiedene Tiere auf dem Land, im Wasser, sowie in der Luft und dazu den Menschen vor. In unserem Gedankenexperiment stellen wir uns nun von jedem Tier die herausragendste Eigenschaft vor, ganz egal, ob es sich um eine sportliche Fähigkeit, ein Jagdverhalten, seine soziale Kompetenz, die Anpassung an die Umgebung und/oder die klimatischen Bedingungen... handelt. Wenn ihr das geschafft habt, dann stellt euch ein Lebewesen vor, welches alle diese Fähigkeiten in sich vereint.

Könnt ihr euch jetzt vorstellen, um wie viele Lichtjahre es uns Menschen überlegen wäre? Es wäre, unter Garantie, eine demütigende Erfahrung.



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