Donnerstag, 30. November 2017

Der Sklavenhandel in Libyen

Im Sommer dieses Jahres wurde CNN ein Amateurvideo zugespielt, auf dem man sehen kann wie Menschen, an einem unbekannten Ort in Libyen, versteigert werden. Die drei auf dem Video gezeigten Männer werden um den Betrag von umgerechnet etwa 730 Euro verkauft. Die Journalisten fuhren im Oktober dieses Jahres selbst nach Libyen und wurden ihrerseits Augenzeuge einer ähnlichen Auktion in der Nähe von Tripolis. Es gelang ihnen die Sklavenauktion einige Minuten lang zu filmen. Innerhalb weniger Minuten, wurden ihren Angaben zufolge, ein Dutzend Menschen verkauft...


Bereits im April 2017 hat der Vertreter der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Libyen, Othman Belbeisi, von Sklavenmärkten gesprochen. Das Flüchtlinge in Libyen misshandelt werden, wussten die Offiziellen der afrikanischen und europäischen Politik schon lange. Es war ihnen allerdings herzlich egal. Im September 2017 schrieb die internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen, Joanne Liu, einen offenen Brief an die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union. Sie hatte bei ihrer Libyen „Reise“ mehrere Internierungslager besucht und musste nach Gesprächen mit den Gefangenen feststellen, dass diese nicht wie Tiere sondern wie Waren behandelt werden. Gefangene würden an die Betreiber der Internierungslager verkauft und müssen für ihre „Freilassung“ wiederum hunderte Euro bezahlen... In dem offenen Brief fragt die Präsidentin u.a.: „Sind Vergewaltigungen, Folter und Versklavung wirklich der Preis, den die europäischen Staaten bereit sind zu zahlen, um den Flüchtlingsstrom zu drosseln“

Mit der Möglichkeit nun Bilder von den Gräueln in Libyen zu sehen, wird es nun immer schwieriger sich vor der Misshandlung der Flüchtlinge zu verschließen. In Libyen vertritt man die Ansicht, dass man so lange die Fluchtursachen nicht identifiziert und bekämpft werden, da leider gar nichts ausrichten könne. Man sei alleine, ganz einfach, überfordert... In Europa wiederum versucht man wiederum die Regierung Libyens als Partner für die Flüchtlingsmisere zu gewinnen. Das ist halt schwierig, weil es seit der Ermordung Gaddafis im Jahre 2011 keine funktionsfähige Regierung besitzt. Die Europäer verhandeln mit einer sogenannten „Einheitsregierung“, welche nicht einmal in der Lage ist die Hauptstadt Tripolis unter Kontrolle zu halten.

Ein gutes Beispiel für die Hilflosigkeit aller Beteiligten ist die im Juni 2015 ins Leben gerufene Marineoperation „Sophia“. Die Aufgabe sollte es sein, den Schleppern das Handwerk zu legen. Die Operation wurde kürzlich bis Ende 2018 verlängert. Die libysche Küstenwache ist zwar ein EU-Partner und wird auch von ihr ausgebildet, allerdings behindert diese ziemlich oft die Rettung der Flüchtlinge. Nun denn, nachdem es keine handlungsfähige Regierung gibt, verfügt man auch nicht über vernünftige Sicherheitskräfte, sondern lediglich über verschiedenste Milizverbände und diese sind maximal diszipliniert...

Vor wenigen Tagen hat sich die EU dazu entschlossen, zukünftig auch die libyschen Polizeikräfte zu trainieren. Man wolle sie auch mit Booten und Transportfahrzeugen ausstatten... Die Vereinten Nationen reagieren auf diese Pläne entsetzt. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid Ra´ad al-Hussein hat sich folgendermaßen ausgedrückt: Der Ansatz der EU, Migranten auf dem Mittelmeer durch die libysche Küstenwache abfangen zu lassen, sei unmenschlich. Die Aufgegriffenen würden zumeist in Haftzentren gebracht wo sie gefoltert, vergewaltigt und versklavt werden. Die EU wies diese Anschuldigungen zurück und meinte lediglich, dass sie diese Zustände nicht verursacht hätten...

Nigers Präsident Mahamadou Issoufou verlangt wegen der Menschenrechtsverletzungen in Libyen, dass sich der internationale Strafgerichtshof in Den Haag einschalten und Ermittlungen aufnehmen solle. Die Sklaverei sei schließlich ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.