Mittwoch, 9. März 2016

Die Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation COPINH, Berta Cáceres, wurde ermordet

Die weltbekannte, honduranische Aktivistin Berta Cáceres, wurde am 3. März um ein Uhr früh, in ihrer Wohnung in La Esperanza, durch unbekannte Täter ermordet. Ihr Bruder Gustavo Cáceres wurde beim Attentat schwer verletzt und der ebenfalls Anwesende, bekannte mexikanische Umweltaktivist Gustavo Castro Soto, wurde bei dem Angriff durch einen Streifschuss am Kopf verletzt. Er überlebte, weil die Täter ihn für tot hielten. Kurzfristig hat ihn die lokale Polizeibehörde sogar als Verdächtigen festgenommen. Eine ganz besondere Glanzleistung der hiesigen Polizei... Die offizielle honduranische Version besagt, dass die 42jährige Menschenrechtsaktivistin, einen Tag vor ihrem Geburtstag, in ihrer Wohnung mehrere Einbrecher überrascht hat und deshalb sterben musste.



Diese Geschichte glaubt man aber weder in Honduras, noch sonst irgendwo auf der Welt. In der jüngeren Vergangenheit hat die vierfache Mutter Berta Cáceres mit vehement darauf hingewiesen, dass sie Morddrohungen erhalten habe und ihr Name auf einer „Todesliste“ stehe. Sie berichtete noch in der Woche vor der Tat, mehrmals über die eigene Bedrohung sowie die Ermordung, einiger ihrer engsten Mitstreiter.



Die Interamerikanische Menschenrechtskommission hatte der Aktivistin Schutzmaßnahmen zugesprochen, welche aber laut der Menschenrechtsorganisation COPINH von den Behörden Honduras nicht umgesetzt wurden. Dem widerspricht nun Minister Jorge Ramon Hernandez Alcerro. Aus seinem Mund klingt das aber so, als ob die Ermordete an der Tat selbst schuld sei, weil sie den Behörden nur ihr Wohnhaus in Libano genannt habe und nicht jenen Wohnsitz wo sie ermordet wurde. Berta Cáceres wechselte aber deshalb ihre Wohnung, weil sie sich, laut Informationen ihrer engsten Vertrauten, in der angeblich bewachten Wohnung, in Libano nicht sicher fühlte.



Berta Cáceres bezahlte ihren Einsatz für die Rechte der Lenca-Indigenen und ihren Widerstand gegen diverse Staudammprojekte, welche die Siedlungen der Lenca-Indigenen bedrohten, mit dem Leben. Die 84-jährige Mutter der Toten machte in einem Radiointerview die Regierung für die schreckliche Tat verantwortlich. Für die Menschenrechtsorganisation COPINH sind es hingegen die Firma DESA, deren Finanziers, sowie die internationalen Projektpartner.



Nachdem es im Jahr 2013 der Lenca-Bevölkerung gelungen war, das Staudammprojekt Agua Zarca auf friedliche Art und Weise zu stoppen, hat die Betreiberfirma Desarollos Energéticos im Juli 2015 die Arbeiten am Gualcarque-Fluss fortgesetzt. Schon vor der Tötung von Berta Cáceres wurden vier COPINH Mitglieder ermordet. Darunter mit Tomas Garcia auch jener Mann, welcher sich an der Spitze von COPINH befand. Er wurde 2013, während einer Demonstration, von einem Soldaten erschossen.



In Honduras befinden sich die Menschenrechte seit dem Putsch im Jahr 2009 im stetigen Sinkflug. Seit der Ermordung der Aktivistin Berta Cáceres haben bereits dutzende Organisationen aus Europa und den U.S.A. ihre Solidarität mit der Familie des Opfers, sowie den Mitgliedern der Organisation COPINH bekundet.



Damit jeder einen Eindruck davon bekommt wie gefährlich in Honduras Menschenrechtsaktivisten leben sei folgende Zahl gedacht. Zwischen 2010 und 2014 sind nach offiziellen Angaben, 101 Aktivisten getötet worden.