Donnerstag, 17. März 2016

U.S.A. Seit fünf Jahren fließt verseuchtes Flusswasser aus den Wasserhähnen der 100.000 Einwohner Stadt Flint

2011 wurde der Republikaner Rick Snyder der neue Gouverneur von Flint. Er startete sein Amt sehr ambitioniert und begann sogleich mit massiven Steuererleichterungen (in Milliardenhöhe), nein nicht für die Ärmsten, sondern für die Reichen und Unternehmer. Selbstverständlich muss man dann halt im Gegenzug ein paar Einsparungen ins Spiel bringen. Ganz hervorragend eignet sich dafür, das bisherige Trinkwasser, welches bisher aus der Stadt Detroit kam, durch das Flusswasser des Flint (gleicher Name wie die Stadt), zu ersetzen. Immerhin ist es dem Gouverneur dadurch gelungen die „immense Summe“ von fünf Millionen Dollar einzusparen...

Folgendes Problem ist halt zwischenzeitlich aufgetreten: Die Bevölkerung leidet nunmehr verstärkt an Gelenkschmerzen, Haarverlust, Hautausschlägen, Juckreiz und Ohrinfektionen. Das Flusswasser, welches seit einigen Jahren aus ihren Wasserhähnen tropft ist, so hat man nun festgestellt, ganz extrem mit Blei belastet. Jeder Einwohner von Flint hat sich einer chronischen Bleivergiftung ausgesetzt. Am 13. Jänner hat Gouverneur Snyder sich endlich dazu durchgerungen den Notstand auszurufen und den Einmarsch der Nationalgarde zu befehlen. Präsident Obama hat zwischenzeitlich eine Soforthilfe von 80 Millionen US-Dollar angekündigt. Nebenbei sei bemerkt, dass sich die Stadt Flint im größten Süßwasserreservoir Nordamerikas befindet...

Das war die Vorgeschichte und jetzt ratet mal wer nun den großen Retter in der Not gibt. Es ist die Schweizer Firma Nestlé. In einer Entfernung von nur einhundert Kilometern zu Flint besitzt Nestlé eine Flaschenwasserfabrik. Man pumpt dort täglich 1,2 Millionen Liter Wasser aus einem unterirdischen Fluss und verkauft es, in Flaschen abgefüllt, unter dem Namen „Ice Mountain“. Jetzt hat man der Stadt Flint eine Spende von 6,5 Millionen Flaschen Wasser zukommen lassen. Also genau jenes, welches in unmittelbarer Nähe der Stadt Flint herkommt. Die Menschen sind glücklich und waschen sich damit und trinken es.

Wer es sich in der Dritten Welt leisten kann, trinkt dort Nestlé Wasser. Warum ich das erwähne? Weil Michigan Gesetze hat, welche die Schweizer Firma (wer kann es ihr verdenken) beinhart ausgenützt hat. Die schwammige oder gar fehlende Gesetzgebung zum Thema Grundwassernutzung, nutzte Nestlé, um für die einmalige staatliche Gebühr von 85 US-Dollar! Das ist kein Schreibfehler. Es sind wirklich nur 85 US-Dollar! Also für diesen Betrag pumpt Nestlé bereits seit dem Jahr 2001 hunderte Millionen Liter Wasser gratis ab und verkauft es seither unter dem Namen „Ice Water“...

Nestlés Wassergeschäfte wurden damals von den Republikanern durch massive Steuererleichterungen unterstützt... genauso wie heute die Probleme in der Stadt Flint... Gouverneur Snyder wusste sogar, dass das Flusswasser mehr als nur bedenklich war und lehnte trotzdem, aus Kostengründen, eine Behandlung des Wassers ab bevor es das Wassersystem der Stadt erreicht hätte. Das zugefügte anti-korrosive Mittel hätte nämlich die enorme Summe von 100 US-Dollar pro Tag verursacht...

Die demokratischen Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Bernie Sanders haben Gouverneur Rick Snyder zum sofortigen Rücktritt aufgefordert. Sie sind dabei auf taube Ohren gestoßen. Zurückgetreten ist hingegen der republikanische Stabschef Dennis Muchmore. Seine Frau ist nämlich Nestlés lokale Kommunikationschefin – Zufälle gibt’s...

Der amerikanische Filmemacher Michael Moore hat es folgendermaßen auf den Punkt gebracht: „Gib den Reichen Steuererleichterungen. Lass die Armen vergiftetes Flusswasser trinken.“

Faktum ist, dass es den Republikanern wichtig ist, sämtliche Aufgaben der öffentlichen Hand auf die Privatwirtschaft zu übertragen. Selbstverständlich auch bei der Wasserversorgung. Die Konzerne sind darüber natürlich überglücklich.

Wir in Europa könnten das in Zukunft auch erleben. Alles was dazu fehlt ist TTIP...