Montag, 27. Januar 2020

Das zweite Genesis

Immer wieder sprechen Wissenschaftler davon, dass es auf dem Jupitermond Enceladus und dem Saturnmond Europa, Leben geben könnte. Unter deren Eispanzern, besteht die Möglichkeit, dass sich Leben entwickelt hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Leben mit jenem auf der Erde in keinster Weise verwandt ist, ist groß. Zu dieser Erkenntnis sind Forscher gelangt, welche Simulationen zur Verteilung von Mars-Meteoriten im Sonnensystem durchgeführt haben.

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Der Geophysiker Jay Melosh von der Purdue University, hat beim Jahrestreffen der American Geophysical Union (AGU) in San Francisco erklärt, dass er mit seinem Team untersucht hat, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Felsbrocken, welche durch kosmische aus einem der inneren Planeten herausgeschlagen werden/wurden, die Eismonde Enceladus und Europa erreichten und somit die Saat des Lebens verbreitet hätten.

Zahlreiche Exobiologen und Planetenwissenschaftler spekulieren darüber, dass der Mars einst nicht nur lebensfreundlich, sondern auch belebt gewesen ist und Mars-Meteoriten somit die junge Erde mit dem damaligen Mars-Leben befruchtet hat. Jay Melosh und seine Kollegen haben mithilfe von Computermodellen die Reise von 100.000 Mars-Partikeln, quer durch unser Sonnensystem simuliert, welche durch einen Einschlag auf der Marsoberfläche, in das All katapultiert wurden. 

Die Forscher sind dabei von drei verschiedenen Geschwindigkeiten ausgegangen – ein, drei und fünf Kilometer pro Sekunde.

Nach rund 4,5 Milliarden Jahre haben Teile dieser Projektile den Saturnmond Enceladus erreicht. Im Vergleich zu jenen Teilen, welche die Erde erreicht haben, handelte es sich dabei um 0,0000002 %. Wenn man vom besten Wert ausgeht, dann sind es auch nur 0,0000004 % jener Teile, welche unseren Planeten erreichten. Im Vergleich dazu erreichten den Jupitermond Europa 0,00004 bis 0,00007 % dieser winzigen Partikel. Das sind zwar knapp mehr als das Hundertfache von Enceladus, aber immer nur ein Bruchteil jener Stücke, welche unseren Heimatplaneten erreichten. Die Wissenschaftler simulierten auch mögliche Einschläge auf Enceladus bzw. Europa, welche von der Erde kamen. Diese Werte entsprachen beinahe den identen Zahlen von denen des Planeten Mars.

Ich lasse jetzt einmal die prozentuelle Berechnung beiseite und zeige an Hand eines praktischen Beispiels wie viel Marsgestein wir jährlich, in Form von Meteoriten, auf unsere Erde bekommen. Es handelt sich dabei jedes Jahr, um eine Tonne Marsgestein! Das ist gar nicht einmal so wenig und nun zum Vergleich die Menge an Marsgestein, welche den Mond Europa erreicht. Es sind 0,4 Gramm. Auf Enceladus fallen 2 bis 4 Milligramm.

Damit etwa Enceladus mit Leben belebt wurde, hätte es den Einschlag, lediglich eines Mars-Meteoriten gebraucht. Das klingt doch super! Die Problematik dabei ist, dass wir bei den diversen Szenarien nicht vergessen dürfen, dass wir Wahrscheinlichkeiten berücksichtigen müssen, welche die „Belebung“ von Enceladus durch einen Mars-Meteoriten deutlich reduzieren.

Die „Anreise“ eines Mars-Projetktils dauert nämlich zwei Milliarden Jahre. Selbst die widerstandsfähigsten Mikroben haben wohl ihre Probleme damit, diese lange Reisezeit, welche sie durch den ungeschützten Raum führt, bis zum Ziel zu „überleben“. Sollte es die Mikrobe dennoch geschafft haben, dann kommt noch die Herausforderung den Mondeinschlag, welcher mit einer Geschwindigkeit von ca. 5 bis 31 Kilomter pro Sekunde passiert, zu „überleben“.

Die Wissenschaftler sind mit allen ihren Berechnungen und Simulationen zu der Überzeugung gelangt, dass es sich bei dem Leben in den Ozeanen von Enceladus und Europas, wenn es ein solches geben sollte, um ein indigenes und nicht durch Erde oder Mars eingeschlepptes Leben handelt.

Ein Leben, welches aus einem anderen Planetensystem eingeschleppt wurde, kann man an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschließen. Die Chance, dass ein von einem Exoplanet stammender Meteorit, in den letzten 4,5 Milliarden Jahren, Leben auf einen der beiden Eismonde gebracht hat liegt bei weniger als 0,01 %. Egal ob es sich um Europa, Enceladus oder einen sonstigen lebensfreundlichen Mond rund um die Gasriesen handelt, er wurde in den letzten Jahrmilliarden wohl auch nicht mit Leben aus dem inneren unseres Sonnensystems kontaminiert.

Wenn wir bei zukünftigen Missionen, Leben in den Ozeanen dieser Monde finden, dann sind diese mit einer großen Wahrschein-lichkeit, völlig unabhängig vom irdischen Leben entstanden. Diese sogenannte „zweite Genesis“ wäre ein Hinweis dafür, dass das Leben im Weltall eher die Regel und nicht durch verschiedenste Umstände und von „Zufällen“ abhängige Ausnahme ist.

Wie werden die Religionen darauf reagieren?

1 Kommentar:

  1. Das ist ein sehr Interessanter Bericht!
    Danke das du dein Wissen über das Weltall so verständlich erklärt hast! Das gib mir die Möglichkeit, viel neues zu Erfahren! 🦋

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