Freitag, 12. Januar 2018

Argentinien - 725 Todesfälle durch Polizeigewalt

Es ist eine enorme Zahl, welche die Koordinationsstelle gegen polizeiliche und institutionelle Repression (Correpi) in ihrem Jahresbericht veröffentlicht hat. Das Untersuchungsergebnis wurde vor wenigen Tagen, im Rahmen einer Protestveranstaltung, vor dem Präsidentenpalast in Buenos Aires der Öffentlichkeit bekannt gegeben.


In der Zeit von Dezember 2015 bis November 2017 kam es zu 725 Todesfällen, welche auf das Wirken der argentinischen Sicherheitskräfte zurückzuführen ist. Dies fällt, rein zufällig natürlich, mit dem Beginn der Amtszeit von Präsident Mauricio Macri und des Regierungsbündnisses Cambiemos zusammen.

Für die Statistiker unter uns bedeutet dies, dass es täglich ein Todesopfer aufgrund von Polizeigewalt gibt. Die Organisation rechnet damit, dass in den nächsten Monaten noch weitere Opfer aus dem oben genannten Zeitraum bekannt werden.

Wie sind die Menschen ums Leben gekommen?

Die große Mehrheit wurde bei Polizeieinsätzen erschossen oder ist in der Haft ums Leben gekommen. Jene Personen, welche in der Haft starben, sind zumeist wegen einer Vorstrafenermittlung, „einfacher“ Vergehen oder wegen einer willkürlicher Verhaftung, eingesperrt worden. Die Mehrzahl der Opfer ist höchstens 25 Jahre alt gewesen.

Für die Leiterin von Correpi, Maria del Carmen Verdi, gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen der enormen Anzahl an getöteten Menschen und der extrem steigenden Staatsausgaben für die Repressionsorgane, bei gleichzeitiger Senkung der Sozialausgaben... Das Verteidigungsbudget ist um 29,9 % gestiegen, jenes des Sicherheitsministeriums um 14,9 % und für den Polizeiapparat in der Provinz Buenos Aires gab es gar 74 % mehr. Seit dem Jänner 2017 gibt es 860 Polizisten pro 100.000 Einwohner. Dies ist weltweit eine der höchsten Zahlen.

Damit wir einen besseren Vergleich bekommen:

In Wien gibt es „lediglich“ 4.348 Polizisten und noch keine berittene Polizei...