Mittwoch, 6. Juni 2018

Venezuela – die Flüchtlingswelle

Das Ausmaß der Flüchtlingskrise nimmt immer dramatischere Formen an. 2018 sind bereits beinahe 300.000 venezolanische Staatsbürger über Kolumbien nach Ecuador eingereist. Die kolumbianische Migrationsbehörde hat vor wenigen Tagen offiziell verkündet, dass im heurigen Jahr 286.000 Venezolaner die "Internationale Brücke von Rumichaca", welche Kolumbien mit Ecuador verbindet, überquert haben. Diese im Jahre 2013 modernisierte Brücke, ist einer der wichtigsten Grenzübergänge zwischen Kolumbien und Ecuador.


Wer sich jetzt wundert und glaubt, dass anscheinend niemand in Kolumbien bleiben will dem sei gesagt, dass Kolumbien sehr wohl jenes Land ist, welches bei den Venezolanern als erste Destination angestrebt wird. Das Rote Kreuz spricht davon, dass seit Beginn der venezolanischen Krise, bereits mehr als eine Million Menschen nach Kolumbien geflohen sind. Wie viele davon sich ohne Papiere in Kolumbien aufhalten? Die diesbezüglichen Schätzungen liegen bei 800.000 Venezolanern.
Insgesamt 700.000 Venezolaner dürften Kolumbien allerdings verlassen haben, um ihr neues Glück in Chile, Ecuador oder Peru zu finden. Diese Erklärung und Einschätzung stammt wiederum von Christian Krüger, seines Zeichens Leiter der kolumbianischen Migrationsbehörde.

Folgender Vorschlag würde in Österreich wohl für enormen Wirbel sorgen, hätte aber keinerlei Chance umgesetzt zu werden. Enrique Penalosa, der Bürgermeister von Bogota, hat nämlich vorgeschlagen, eine automatische Einbürgerung für alle im Land befindlichen Venezolaner durchzuführen. Zitat: "Das wäre eine historische Entscheidung, wenn wir ihnen automatisch die kolumbianische Staatsbürgerschaft geben würden. Eine humanitäre Entscheidung - das sind unsere Brüder". Dieses Zitat hat in der Tageszeitung „El Tiempo“ abgegeben. Ergänzend meinte er noch: "Das wäre ein in die Zukunft gerichtetes Denken."

Seit etwa zwei Jahren herrscht in Venezuela eine Wirtschaftskrise unvorstellbaren Ausmaßes.
Es gibt eine katastrophale Versorgungslage, eine enorme Kriminalitätsrate, Massenproteste mit Toten und eine Staatsspitze mit Präsident Nicolas Maduro, welcher im Jahr 2017, internationale Proteste zum Trotz, eine verfassunggebende Versammlung einberufen hat, welche sämtliche Rechte und Kompetenzen an sich zog. Das regulär gewählte Parlament, in welchem eigentlich die Opposition die Mehrheit hat, wurde entmachtet. Letzte Woche wurde, kurzfristig, eine neue Präsidentschaftswahl ausgerufen und diese hat Präsident Maduro mit großer Mehrheit gewonnen.

Ist halt nur blöd, dass große Teile der Opposition die Wahl (und somit auch viele Wähler) die „freie Wahl“ boykottiert haben, weil ausgerechnet jene Kandidaten, welche eine gute Chance hatten den amtierenden Präsidenten zu besiegen, von der Wahl ausgeschlossen wurden.

Diese Farce einer Wahl wurde, berechtigterweise, von vielen Ländern nicht anerkannt.