Dienstag, 12. Mai 2020

Coronavirus – der Untergang vom Profi-Fußball?

Der Coronavirus hat weltweit, jegliche Mannschaftssportart zum Erliegen gebracht. Die schönste Nebensache der Welt, der Fußball, ist von diesen Auswirkungen massiv betroffen. In Europa kann beispielsweise niemand vorhersagen, ob die jeweiligen Meisterschaften und Europacup-Bewerbe zu Ende gespielt oder abgebrochen werden müssen. Viele Fußballklubs stehen vor dem finanziellen Ruin. Welche Fußballvereine sind derzeit in Österreich in der Lage, die Krise zu bewältigen und wie könnte der europäische Klubfußball schon sehr bald aussehen?


Ich mache es kurz und schmerzlos. Wenn die laufende Saison nicht zu Ende gespielt werden kann, dann werden es aus der höchsten österreichischen Fußball-Liga, mit großer Wahrscheinlichkeit, nur drei Mannschaften schaffen, die finanzielle Belastung aus fehlenden Zuschauereinnahmen und Fernsehgeldern zu stemmen und auch in Zukunft zu existieren. Sie schaffen dies aufgrund der Tatsache, dass es ihnen durch Spielerverkäufe möglich ist, einen mehr oder weniger großen Polster zu schaffen. Diese drei Vereine sind: Red Bull Salzburg, Lask und Sturm Graz. Austria Wien würde sang- und klanglos von der Bildfläche verschwinden, weil man durch den Stadionumbau einen gewaltigen Schuldenberg angehäuft hat, welcher in diesem Falle nicht mehr zu bewältigen ist. Rapid Wien hat ebenso kein entsprechendes Guthaben, um diese Krise noch einige Monate zu überstehen.

Vergessen wir nicht, dass auch die Einnahmen aus Sponsorengeldern sinken werden. Einerseits leiden diese bereits jetzt unter der schwächelnden Wirtschaft und andererseits werden sich jene, welche es sich leisten könnten einen Verein auch weiterhin finanziell zu unterstützen die Frage stellen, welchen Sinn es hat Sponsoring zu betreiben, wo nicht geklärt ist, auf welche Art und Weise dieser sichtbar ist. Die „Geisterspiele“ werden uns auch zu Beginn der nächsten Saison begleiten – wann immer diese auch beginnen mag und niemand kann voraussehen, wie lange die Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden müssen. Wenn keine Spiele der österreichischen Bundesliga im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen werden, dann wird vom Sponsoring ebenso niemand Notiz nehmen können. Der wirtschaftliche Anreiz eine Profi-Mannschaft zu unterstützen ist somit gleich null. Es wird wohl Investoren brauchen, welche die Teams aus Liebe zum Verein mit Sponsorengeldern versorgen und nicht, weil man sich davon erwartet auf irgendeine Art und Weise davon zu profitieren.

Was soll aus den drei verbleibenden Vereinen der höchsten österreichischen Spielklasse werden?

Es wären die einzigen österreichischen Vereine, welche sich weiterhin einen Profibetrieb leisten könnten. Einige Klubs, würden noch Halbprofis beschäftigen können und der große Rest aus Amateuren bestehen. Selbstverständlich könnten Mannschaften wie die beiden Wiener Teams, ein paar Ligen weiter unten neu durchstarten, aber trotzdem wird man es sehr schwer haben, sich die gute Nachwuchsarbeit weiterhin leisten zu können. Dieser Nachwuchs, welcher heute etwa 12 bis 14 Jahre alt ist, wäre die einzige Option, in ein paar Jahren wieder in der höchsten österreichischen Spielklasse, wenn es diese dann noch gibt, vertreten zu sein.

Die finanziellen Probleme betreffen aber selbstverständlich nicht nur den österreichischen Fußball, sondern die Klubs aller europäischer Länder. Wir könnten darüber nachdenken, ähnlich wie beim Eishockey, eine Art Alpenliga einzuführen. Eine Liga gemeinsam mit der Schweiz, Tschechien, Slowakei und Ungarn hätte sicher seinen Reiz. Man müsste sich halt ganz genau ansehen, wie viele Vereine dort die Coronakrise bewältigen können.

Vielleicht ist das aber immer noch in einem viel zu kleinen Rahmen gedacht. Wir müssen vermutlich sogar noch viel größer denken. Wenn ich mir ansehe, dass es auch in Deutschland Vereine gibt, welche jetzt schon zu wackeln beginnen - ich denke dabei an Werder Bremen - dann kann ich mir sehr wohl vorstellen, dass gerade jetzt der Mut etwas Neues im Fußball entstehen zu lassen gar nicht so groß, sondern viel eher eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist.

Vielleicht werden wir in Kürze erleben, dass die UEFA die Champions-League und die Europa-League streicht, um eine Profiliga mit zwei oder drei Leistungsklassen einführt. Jene Teams, welche hier mitspielen, würden in den nationalen Ligen nicht mehr vertreten sein.

Ob österreichische Vereine in diesen europäischen Profi-Ligen vertreten sein könnten?

Wenn ja, dann kommt dafür wohl nur Red Bull Salzburg infrage. Der Lask und Sturm Graz könnten hingegen in einer Alpenliga mitspielen. Ich könnte mir noch zusätzlich eine Art Benelux-Liga, eine britische Liga, eine skandinavische Liga... vorstellen. Die Gewinner dieser "kleinen" Ligen hätten die Chance in die zweite oder dritte Profiliga der Top-Vereine aufsteigen. In den Top-Ligen könnten jeweils zwanzig Vereine vertreten sein und sie könnten die gleichen Spieltermine beibehalten, welche die europäischen Spitzenteams bisher hatten. Nur mit dem Unterschied, dass es sich um eine Meisterschaft handelt und die Spiele Woche für Woche stattfinden. Damit man die Coronakrise besser bewältigen kann und Zeit findet, sich auf das neue System einzustellen, könnte man die erste Meisterschaft irgendwann im neuen Kalenderjahr starten. Eine Meisterschaft, welche innerhalb eines Kalenderjahres abgehalten wird, wäre die Folge.

Die finanzielle Zukunft wäre für die österreichischen Vereine: Red Bull Salzburg, Lask und Sturm Graz gesichert. Was passiert allerdings mit den restlichen Teams? Für diese könnte und sollte es eine kleine, feine nationale Meisterschaft mit zehn Teams geben welche, nach Möglichkeit, aus Profis bestehen. In den unteren Ligen, welchen Namen diese auch immer tragen, sollten lediglich Halbprofis und Amateure spielen.

Fußball der Spitzenklasse wird es wohl auch in Zukunft nur im Bezahl-TV geben. Die österreichische Bundesregierung sollte es aber der Bevölkerung ermöglichen, die Spiele der österreichischen Meisterschaft im FreeTV zu Gesicht zu bekommen. Die finanziellen Mittel, welche die Vereine aus den Fernsehgeldern erhalten, werden allerdings deutlich geringer als bisher ausfallen - auch wenn dies die Klubbosse nicht gerne hören werden. Zukünftige österreichische Teamspieler werden sich in unserer nationalen Liga beweisen müssen, um dann den Sprung in die Alpenliga oder gar in eine der Top Ligen zu machen.

Ich sehe keine andere reelle Chance, um den österreichischen Klubfußball auch nur annähernd zu retten.


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