Donnerstag, 17. Mai 2018

Argentinien - Präsident Mauricio Macri bittet um Kredite in Milliardenhöhe

Der argentinische Präsident Mauricio Macri hat ein Scheitern seiner bisherigen Wirtschaftspolitik eingestanden und deshalb Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) über Kredite in Milliardenhöhe angekündigt. Eine riesige Delegation, mit dabei selbstverständlich auch der Finanzminister Nicolás Dujovne flog nach Washington, um mit IWF-Chefin Christine Lagarde über etwaige Möglichkeiten und die Bedingungen zu sprechen/verhandeln.


Wie ist es so „schnell“ dazu gekommen?

Innerhalb weniger Tage kam es beim argentinischen Peso zu einem Rekordverlust und die Erhöhung des Leitzinses durch die Zentralbank auf 40 % trug ihr übriges dazu bei, dass die Situation prekär wurde.

Wie viel Geld braucht Argentinien?

Das Land benötigt bis zu 30 Milliarden US-Dollar und wird diese wohl in Form eines „Stand-by-Kredits“ bekommen.

Was ist ein Stand-by-Kredit“?

Hierbei handelt es sich um einen Kredit welcher nicht genutzt werden darf. Lediglich im äußersten Notfall darf man darauf zurückgreifen. Der Sinn ist es, dass der internationale Kapitalmarkt wieder Vertrauen in den Peso bekommt. Die Verhandlungen über einen derartigen Kredit dürften bis zu sechs Wochen dauern. Der argentinischen Delegation ist bereits jetzt klar, dass die Konditionen zu welchen der Kredit bewilligt wird, mehr als nur schmerzhaft sein werden. Faktum ist allerdings auch, dass die argentinische Regierung keine andere Wahl mehr sieht, als ihr Schicksal in die Hände des IWF zu legen.

Ein Rückblick:

Wir schreiben das Jahr 2004.
Argentiniens Präsident Nestor Kirchner hat sämtliche Schulden beim IWF vorzeitig beglichen und die Zusammenarbeit für beendet erklärt. 2001 war die Institution mitverantwortlich (vielleicht sogar alleinverantwortlich) für die Staatspleite und den daraus resultierenden sozialen Verwerfungen. Erst vor zwei Jahren hatte Macri erklärt, dass es garantiert nie mehr wieder eine Zusammenarbeit mit dem IWF geben werde...

Zur Gegenwart:

In einer Fernsehansprache hat sich Präsident Macri an die Bevölkerung gewandt und ihnen die Maßnahme als unabdingbar dargestellt. Es sei ganz einfach notwendig damit man nicht in eine schwere wirtschaftliche Krise rutscht. Die Opposition schäumte bei der letzten Parlamentssitzung und fand es unverantwortlich, dass man sich neu verschuldet und diese Schulden noch dazu beim IWF eingehen wolle. Man fände es außerdem skandalös, dass man bereits alles in die Wege geleitet hat, ohne das Parlament bei dieser Entscheidung einzubinden.

2015 hatte Macri sein Land auf einen neoliberalen Kurs gebracht und es für Finanzspekulationen geöffnet. Macri strich Sozialausgaben, entließ Staatsangestellte und gewährte gewissen Branchen Steuererleichterungen. Es folgten nicht nur Massenentlassungen und Rentenkürzungen sondern auch eine enorme Erhöhung der Gas- und Stromtarife. Dies alles zusammen verschärfte die prekäre Lage der Bevölkerung und löste zudem keinerlei wirtschaftlichen Probleme.

Im März 2018 besuchte die IWF-Chefin Lagarde Argentinien. Es ging dabei um Vorbereitungen zu dem Ende Oktober stattfindenden G20 Gipfel in Buenos Aires. Lagarde lobte die Poltik von Macri und damit war klar, dass Argentinien sich wieder auf dem Weg „nach Washington“ befindet.

Das Handelsbilanzdefizit von Argentinien betrug 2017 bereits 8,5 Milliarden US-Dollar – Tendenz stark steigend...