Montag, 26. Oktober 2020

Unsere Bundesregierung im Kampf gegen COVID-19

Unermüdlich befindet sich unsere fähige Regierung im Kampf gegen den bösen Virus und lässt dabei nichts unversucht, um unseren Kanzler als großen Messias darzustellen. Mit einigen versteckten Mikrofonen ist es mir gelungen, die Gespräche unseres Kanzlers beim Arbeitsfrühstück aufzunehmen. Ich bin mir sicher, dass es mir gelungen ist, neue Erkenntnisse zur Vorgangsweise unserer Bundesregierung im Kampf gegen COVID-19, gewonnen zu haben.

Kurz: Wer hat denn das heutige Frühstück organisiert?

Blümel: Das habe ich in die Hände genommen und erledigt. Ich habe mit meinem SM-ART-Phone die perfekte Bestellung aufgegeben. Ich nehme an, dass Du mich dafür loben wolltest, gell Basti.

Kurz: Na eigentlich bin ich voll enttäuscht, weil der Kakao heute irgendwie komisch schmeckt und die Semmeln viel zu hart für meine Milchzähne sind. Du solltest eigentlich wissen, dass ich gerade einen Wackelzahn habe und das tut nun mal völlig weh, wenn ich damit auf so eine resche Semmel beiße.

Blümel: Das tut mir schrecklich leid, lieber Basti. Es wird nicht mehr vorkommen.

Kurz: Na gut egal. Widmen wir uns nun dem geschäftlichen Teil unseres gemeinsamen Arbeitsfrühstücks. Rudi! Was gibt es Neues über den deppaten Virus zu berichten? Ist die Zahl der Neuinfizierten mittlerweile schon wieder zurückgegangen?  Sind wir jetzt endlich wieder bei täglich 500 Neuansteckungen oder noch weniger gelandet? Komm und bereite mir Freude!

Anschober: Na leider ist dem nicht so. Die Anzahl ist extrem steigend. Nachdem wir in den letzten Tagen bereits eine starke Zunahme zu verzeichnen hatten, sind es gestern bereits mehr als 3.600 Menschen gewesen, welche sich in Österreich neu infiziert haben.

Kogler: Jo bist Du denn deppat. Leck mi am Oarsch.

Kurz: Bitte lieber Werner! Ich will nicht, dass Du jedes Mal so hoch emotional reagierst, wenn der Rudi die neuen Zahlen verkündet. Ich bekomme sonst noch Herz rasen! Wir müssen die Sache absolut cool und überlegt angehen. Vielleicht schaffst Du das ja einmal.

Kogler: Na guat.

Kurz: Zurück zum wesentlichen. Wie viele Österreicher*innen befinden sich unter den Infizierten?

Anschober: Wie bitte? Willst Du jetzt echt wissen, wie viele von den Erkrankten die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen?

Kurz: Ja selbstverständlich! Vielleicht können wir es nämlich solcherart den Deutschen, Kroaten oder sonst irgendwem in die Schuhe schieben, dass diese den Virus nach Österreich eingeschleppt haben, weil unsere Maßnahmen waren hervorragend und wurden nach bestem Wissen und Gewissen getätigt.

Kogler: Na sehr groß ist Dein Gewissen aber wohl eher nicht, lieber Basti! Obwohl, ich hätte da eine Spitzen Idee! Es gäbe eine Möglichkeit, dass wir von der Bundesregierung ein menschliches Antlitz bekommen und gleichzeitig die Schuld an der hohen Anzahl an Neuerkrankungen, jemand Anderen in die Schuhe schieben können. Bist Du interessiert?

Kurz: Na selbstverständlich! Das ist endlich einmal eine gute Nachricht heute! Heraus mit der Sprache!

Kogler: Wir nehmen 200 Kinder aus Moria in Österreich auf und wenn die Anzahl der Erkrankungen weiterhin so exorbitant steigt, dann sagen wir einfach, dass die Kinder bereits krank nach Österreich gekommen sind, aber keinerlei Symptome gezeigt und dann alle angesteckt haben. Aufgrund unseres Aktes der Menschlichkeit, werden uns viele Menschen diese Horrorzahlen verzeihen und wir haben wieder ein paar Tage mehr Zeit, zum Nachdenken über die erforderlichen Maßnahmen gegen des deppate Virus bekommen. Na was sagst?

Kurz: Ich habe selten so einen Schwachsinn gehört! Nicht einmal der Gernot schafft das, einen solchen Unsinn von sich zu geben. Niemals werden wir diese Gfraster aus Moria zu uns nach Österreich holen. Das würde mir, laut brandaktueller Umfrage, mindestens drei Prozent meiner Wähler vergraulen! Du Gernot! Kannst Du mir vielleicht einmal, mit einem kleinen Beispiel erklären, wie viel 3.500 Menschen sind? Ich will einfach eine bessere Vorstellung davon bekommen. Vielleicht ist das auch gar nicht so viel, wie sich das jetzt gerade anhört.

Blümel: Das ist ganz einfach lieber Basti. 3.500 ist ungefähr jene Anzahl von Menschen, welche sich gleichzeitig in einem Billa Geschäft befindet. Jetzt habe ich mich gerade bemüht, ein ganz volksnahes Beispiel zu finden. Ich bin so stolz auf mich!

Kurz: Danke Gernot! Jetzt kann ich mir unter 3.500 Leuten etwas vorstellen. Das ist aber eh ur wenig. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es sich somit um eine vernachlässigbare Größe handelt und mir daher völlig wurscht ist.

Anschober: Wenn ich Dich darauf aufmerksam machen dürfte, dass der liebe Gernot ganz offensichtlich ein Problem mit Nullen hat, was irgendwie verwunderlich ist, weil er ja selbst eine ist. Sein Beispiel ist nämlich absoluter Nonsens. Es sind beim Billa maximal  35 Personen gleichzeitig einkaufen, aber niemals 3.500. Wir sollten also doch mit mehr Ernsthaftigkeit an die Sache herangehen und das diesbezügliche Nachdenken, den fähigen Personen unter uns überlassen.

Kurz: Na gut. Ich brauche also Vorschläge, wie wir dieser Krankheit Einhalt gebieten. Ich will nämlich noch länger Kanzler bleiben und net wegen so einem deppaten Virus a schlechte Nachred haben.

Kogler: Ich glaube, dass wir vielleicht doch einen Lockdown in Erwägung ziehen sollten, weil es wahrscheinlich doch der beste Weg ist...

Kurz: Der Typ macht mich wahnsinnig! Ja willst Du mich komplett ruinieren? Das wäre das Ende unserer Wirtschaft und des Tourismus?

Blümel: Sehr verehrter Werner! Mit einem zweiten Lockdown würden wir unsere Wirtschaft völlig zerstören und reihenweise würden die Klein- und Mittelbetriebe dem Untergang geweiht sein. Wie viele von denen unsere Partei danach nicht mehr wählen, kannst Du Dir wohl selbst ausrechnen.

Kogler: Na glaubts ihr im Ernst, dass die Touristen in Scharen zu uns kommen, wenn wir so weitermachen wie bisher und versuchen eine völlig normale Schi-Saison anzubieten?

Kurz: Natürlich glauben wir das nicht, aber die Unternehmer*innen würden uns nicht die Schuld für das Ausbleiben der Gäste geben. Außerdem hätten sie immerhin trotzdem ein paar Einnahmen und nicht gar nix. Autsch! Jetzt habe ich mit meinem Wackelzahn gerade voll in diese harte Semmel gebissen. Hoffentlich ist er noch da.

Blümel: Wenn er herausgefallen ist, dann bekommst Du wenigstens etwas von der Zahnfee!

Kurz: Nein leider. Er ist noch da. Ein Lockdown kommt also für mich gar nicht in Frage und wenn jetzt irgendjemand von euch noch über Schulschließungen mit mir debattieren will, dann kann er das gleich bleiben lassen. Da sage ich gleich, dass wir in der Volksschule alles so lassen wie es ist und wir können im äußersten Notfall darüber reden, dass wir eine Klassenteilung durchführen und die eine Gruppe am Vormittag und die andere am Nachmittag unterrichten.

Anschober: Willst Du nicht den Heinz fragen, was der von dieser Idee hält?

Kurz: Der hat da gar nix zu sagen. Der macht was ich will und hat zu folgen. Wo kommen wir denn da hin, wenn der da vielleicht auch noch mitreden will! Außerdem weiß ich von ihm, dass er auch gegen eine Schulschließung ist, weil er mir erzählt hat, dass das sinnlos ist, weil sich vor allem die Kinder der Oberstufe dann ständig privat treffen und auf diese Art und Weise, dann im Gegensatz zur Schule, wo alles in einem geschützten Rahmen stattfindet, sich der Virus noch schneller verbreiten würde.

Kogler: Des klingt sogar für mich extrem logisch. Des Problem is, dass wir jetzt immer mehr wissen was wir nicht wollen, aber welche Maßnahmen wir wirklich ergreifen sollen, um unsere Bevölkerung vor einer Erkrankung zu schützen, wissen wir noch immer nicht.

Kurz: Das Zauberwort heißt Kontinuität. Wir müssen wie ein Prediger agieren und den Menschen ins Gewissen reden, damit diese so handeln, wie wir es für richtig halten und dabei ist es völlig wurscht ob wir recht haben oder nicht. Es liegt an uns, die Bevölkerung dazu zu bringen, uns uneingeschränktes Vertrauen zu schenken und an unseren Lippen zu hängen, um unseren salbungsvollen Worten zu lauschen.

Blümel applaudiert: Das hast Du gerade ganz toll gesagt lieber Basti. Du hast mich gerade ganz extrem berührt. Danke lieber Basti! Komm und sag uns, wie Du uns retten wirst!

Kogler: Geh bitte! Der Basti wollte uns ja nur erklären, wie das weiterhin funktionieren soll, ohne das wir als ahnungslose Taugenichtse auffliegen.

Blümel verdattert: A so?

Kurz: Du meine Güte Gernot. Jetzt stell Dich net noch blöder an, als eh schon jeder glaubt, dass Du bist. Das nervt mich jetzt auch schon.

Anschober: Na gut. Das bedeutet – Klartext gesprochen, dass wir weiterhin unsere Pressekonferenzen abhalten werden und wie Tick, Trick und Track auftreten und gute Mine zum bösen Spiel machen.

Kurz: Na endlich einer mit Hirn! Wir müssen also weitermachen wie bisher und dürfen uns nicht anmerken lassen, dass wir absolut keine Ahnung haben, wie wir in dieser Krise agieren. Setzen wir also diesbezüglich auf Kontinuität und argumentieren wir, selbst bei extrem steigenden Infektionszahlen, dass wir damit gerechnet und alles im Griff haben. Erklären wir den Menschen, dass diese Entwicklung gut ist und wenn es gerade besonders schlimm ist, dann machen wir ihnen ein verflucht schlechtes Gewissen. Hin und wieder dürfen wir ihnen allerdings schon ein bisserl Hoffnung machen und ihnen das Blaue vom Himmel versprechen. Ganz egal ob es das Licht am Ende des Tunnels, ein Regenbogen am Horizont, die Krise aber jetzt echt und wirklich bald vorbei ist, oder ähnliches.

Kogler: Und ganz selbstverständlich sollten wir auch immer wieder auf jene Nationen zeigen, welchen es viel schlechter als uns geht.

Anschober: Tut mir leid Werner, aber das wird nimma lang funktionieren, wenn ich mir die Zahlen so anschaue.

Kurz: Na, dann müssen wir ja nur die Reihenfolge ändern und mit letzterem beginnen, um zu verhindern, dass wir es später vielleicht nicht mehr verwenden können. Wie schauts eigentlich mit einem Impfstoff aus Rudi?

Anschober: Für die Grippe-Impfung?

Kurz: Na komm! Wegen dem COVID-Schmarren natürlich. Wann könnten wir darüber verfügen?

Anschober: Ich glaube nicht, dass wir ihn vor dem nächsten Frühjahr haben werden.

Kurz: Na dann, brauchen wir halt bis dahin unzählige Durchhalteparolen. Also Burschen, lasst euch etwas einfallen. Ich zähle auf euch! Übrigens Gernot! Wie schauts aus? Wie viel Gold haben wir in Österreich eigentlich noch?

Blümel: Nach meinen exakten und absolut zuverlässigen Berechnungen verfügen wir über 280 Tonnen Gold. Die Hälfte davon befindet sich in Österreich, 86 Tonnen in Großbritannien und 54 Tonnen in der Schweiz.

Kurz: Das dürfte reichen, um aus dem Gröbsten herauszukommen.

Kogler: Wie meinen?

Kurz: Wenn die Wirtschaft in unserem Land ganz den Bach herunter geht, dann nehmen wir halt unser ganzes Gold und verscherbeln es. Ungefähr 150 Milliarden Euro werden dabei schon heraus springen und das ist ein bisserl mehr als ein Drittel des BIPs in Österreich. Kopf hoch Burschen, wir schaffen das!


1 Kommentar:

  1. Lieber ÜBERFLIEGER
    in Zeiten wie diesen ist es notwendig einen anderen Blickwinkel auf die momentane Politische ernst zu nehmende Lage zu werfen.
    Danke für dein Talent,das du diesen Artikel mit Augenzwinkern und ein klein wenig Satirischen Humor geschrieben hast, damit wir auch die Möglichkeit haben,unsere Politische Lage aus einer Anderen Perspektive sehen können. 🦋Danke

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