Freitag, 16. April 2021

Von der Ermordung von Aldo Moro bis zu den Korruptionsvorwürfen gegen den Vatikan

Aldo Moro - der italienische Politiker der Partei Democrazia Cristiana, war von 1963-1968 und von 1974-1976, Ministerpräsident des Landes. Am 16. März wurde er von den Roten Brigaden entführt. Aldo Moro befand sich gerade auf dem Weg ins Parlament und musste mitansehen, wie seine fünf Leibwächter ermordet wurden. Die Entführer verlangten die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen. Der damalige Ministerpräsident Giulio Andreotti, weigerte sich jedoch mit ihnen zu verhandeln. Es gab Demonstrationen wo sich einerseits ca. 40.000 Menschen gegen Verhandlungen und andererseits auch Demonstrationen von 10.000 Menschen, welche sich dafür aussprachen.

Während seiner Geiselhaft schrieb Aldo Moro 80 Briefe, welche an seine Familie, Parteifreunde und den Papst gerichtet waren. Die Zeitung Corriere della Sera, druckte auszugsweise einige davon ab und das italienische Fernsehen berichtete live, rund um die Uhr zur Entführung von Aldo Moro. Papst Paul VI. hatte sich übrigens vergeblich darum bemüht, die Entführer von Aldo Moro, zum Gefangenentausch mit ihm zu überreden.

Am 9. Mai 1978 wurde die Leiche von Aldo Moro, im Kofferraum, eines in der Innenstadt geparkten Autos gefunden. Sein Mörder war Mario Moretti. Bis zum heutigen Tag ranken sich Gerüchte um die Verwicklung von staatlicher oder/und geheimdienstlicher Akteure.

Giulio Andreotti und die Mafia

Seine Verwicklungen mit der Mafia führte dazu, dass man 28 Mal versuchte, seine parlamentarische Immunität aufzuheben, um ihm den Prozess zu machen. Beim 29. Mal hat es dann geklappt.

Der Mafioso Calogero Ganci, welcher den Mord an Dalla Chiesa plante, sagte 1993 aus, dass die Mafia, Giulio Andreotti wegen der von Dalla Chiesa verfolgten Affäre um die Ermordung von Aldo Moro einen großen Dienst erwiesen habe.

Dalla Chiesa war ein General der italienischer Carabienieri und berühmt für seinen Kampf gegen die Mafia. Nach der Ermordung von Aldo Moro intensivierte er die Jagd nach den Roten Brigaden. Es gelang ihm einige Handlungsträger der in die Ermordung von Aldo Moro involvierten Terroristen zu identifizieren und festzunehmen. Kurz vor der erfolgreichen Beendigung seiner Arbeit, wurde er plötzlich und unerwartet nach Sizilien beordert, um als Polizeichef von Palermo, den von der Mafia verursachten Ausnahmezustand zu beenden.

Am 12. Juli 1982 heiratete er seine Frau, Emanuela Setti Carraro und bereits am 3. September 1982, kamen die Beiden, bei einem Attentat ums Leben. Seine Spuren und Beweise im Falle der Ermordung von Aldo Moro, gingen verloren...

Bei seiner Trauerfeier wurden anwesende Regierungspolitiker von der Bevölkerung beschimpft, bespuckt und mit Kleingeld beworfen. Sie mussten in ihre Dienstautos flüchten und rasten davon. Einzig und alleine, der anwesende Staatspräsident Sandro Pertini, wurde von den Menschen als untadelig erachtet.

In diesem Zusammenhang kann man erkennen, welche Tragweite die Aussage des Mafiosis Calogero Ganci hatte, als er durch die Ermordung von Dalla Chiesa, von einem großen Dienst für Giulio Andreotti gesprochen hatte. Was für ein Zufall und Pech aber auch, dass unmittelbar nach der Ermordung von Dalla Chiesa, seine gesamten Ermittlungsakten zur Ermordung von Aldo Moro verschwunden sind...

Am 20. März 1979 wurde übrigens der investigative Journalist Carmine Pecorelli ermordet. Er hatte sehr umfangreich zum Fall Aldo Moro publiziert und hatte seinerseits gute Kontakte zu Geheimdiensten.

Was hat die Ermordung von Carmine Pecorelli, mit Giulio Andreotti zu tun?

Der Mafia-Aussteiger Tommaso Buscetta, sagte am 6. April 1993 vor einem Richter in Palermo aus, dass sein Chef Gaetano Badalamenti ihn informiert haben, dass Pecorelli, im Zusammenhang mit den Interessen von Giulio Andreotti ermordet wurde. Die „Cousins“ (Mafia-Jargon bedeutet Bandenmitglieder) von Antonio Salvo haben den Auftragsmord als einen Gefallen für Giulio Andreotti ausgeführt, damit dieser keine Informationen über ihn veröffentlichen könne, welche seine politische Karriere beendeten.

Am 17. November 2002 geschah das bis dahin für unmöglich gehaltene und Giulio Andreotti, Badalamenti und Carminati, wurden in zweiter Instanz, für die Ermordung des investigativen Journalisten Carmine Pecorelli, zu je 24 Jahren Haft verurteilt. Am 30. Oktober 2003, wurde dieses Urteil allerdings, in der Berufungsverhandlung durch das Oberste Kassationsgericht wieder aufgehoben...

2003 war auch sonst ein sehr schönes Jahr für Giulio Andreotti. Er wurde in diesem Jahr auch vom Vorwurf der Verbindung mit der Mafia freigesprochen – nicht aus Überzeugung, sondern wegen Verjährung...

Im Jahre 1987 soll sich Giulio Andreotti mit Salvatore Toto Riina getroffen haben. Er war Mitglied der sizilianischen Cosa Nostra und für etwa zwei Jahrzehnte, das Oberhaupt Corleonesi. Toto Riina hatte etwa 1.000 Ermordungen in Auftrag gegeben und dürfte Dutzende davon, selbst ausgeführt haben.

Am 15. Oktober 2004 stellte ein Berufungsgericht fest, dass es keinen Beweis für ein Treffen von Giulio Andreotti mit Salvatore Riina gäbe. Die Aussagen des Kronzeugen Baldassare „Balduccio“ Di Maggio seien „konfus und widersprüchlich“.

Wie kommt es nun zu den Korruptionsvorwürfen gegen den Vatikan?

Der Journalist Nicola Giampaolo hat in einer Fernsehsendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehsender RAI3 behauptet, dass ihm als Postulator des Seligsprechungsverfahrens für Aldo Moro bei einer Begegnung in den Räumen der Kongregation im Juni 2018 Geld abverlangt worden sei, um die Causa schneller voranzubringen.

Die Kongregation erklärte ihrerseits, die Betreiber des Verfahrens hätten Giampaolo bereits im April 2018 das Mandat entzogen.

Nicola Giampaolo sei wegen zweier anderer, von Moro unabhängiger römischer Seligsprechungsverfahren an der Behörde gewesen, so deren Untersekretär Pater Bogusław Turek in einer eigenen Mitteilung, welche der Vatikan ebenfalls veröffentlichte. Dabei wurde dem Journalisten mitgeteilt, dass beide Kandidaten die Anforderungen für die Aufnahme einer Causa nicht erfüllten. Mit der Causa Moro sei er, Boguslaw Turek, gar nicht befasst, auch weil sie offiziell noch gar nicht begonnen hat: Die Diözese Rom habe den Heiligen Stuhl bisher nicht um eine Aufnahme des Verfahrens ersucht.

Papst Franziskus will mit der Kurienreform für mehr Transparenz in den finanziellen Abläufen beim Heiligen Stuhl sorgen. Korruption hat er mehrfach als eines der Grundübel jeder Gesellschaft bezeichnet. Postulatoren – etwas wie Anwälte im jeweiligen Verfahren – sollten „sich nicht von einer materiellen Sichtweise oder ökonomischen Interessen leiten lassen, nicht ihre persönliche Bestätigung suchen und vor allem all das meiden, was im Gegensatz zur Bedeutung der kirchlichen Arbeit steht, die sie tun“, sprach der Paspst bei einer Begegnung mit den Angehörigen der Selig- und Heiligsprechungskongregation 2019.

Die Kosten für ein Selig- und Heiligsprechungsverfahren inkl. der Honorare für die Postulatoren übernehmen die Antragsteller der jeweiligen Causen, meist Bistümer oder Ordensgemeinschaften.







Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen