Freitag, 13. Mai 2022

Die Pandemie-Gefahr steigt durch den Klimawandel

Das Risiko neuer Virusinfektionen wird in den nächsten Jahrzehnten drastisch steigen. Der Klimawandel und die Landnutzung führen schon bald zu mehr Kontakten zwischen Mensch und zuvor isolierten Arten. In den nächsten 50 Jahren könnten dadurch zwischen 4.500 und 15.000 Artsprünge von Viren zwischen Säugetieren stattfinden. Die Risikogebiete für Erreger wie z.B. Ebola würden ebenfalls deutlich erweitert werden.

Derzeit sind ca. 70 % aller von Viren verursachten Infektionskrankheiten Zoonosen. Der Ursprung ist also bei den Tieren zu finden. Der Artsprung findet entweder durch den direkten Kontakt zwischen Wildtier und Mensch statt, oder durch einen „Zwischenschritt“ über unsere Nutztiere.

Colin Carlson von der Georgetown Universität und seine Kolleg*innen hat in einer Studie untersucht, welche Auswirkungen die weltweite Erwärmung, auf die weltweiten Verbreitungsgebiete von 3.870 Säugetierarten haben wird und dieses letztendlich die Übertragung der Viren zwischen diesen Arten beeinflussen wird.

Wie ist es bisher?

7 % der Säugetierarten teilen einen Lebensraum und 6 % tragen eines oder mehrere gemeinsame Viren in sich. Wenn sich die Verbreitungsgebiete ändern, führt dies wiederum zur „Chance“ neuer Interaktionen. Es wird also eine Übertragung von Viren auf Wirte geben, welche zuvor nicht möglich war. 

Wie wird es sein? 

Colin Carlson hat mit seinem Team ein Modell erstellt mit dessen Hilfe die Zukunft erforscht wird. Wenn es eine relativ betrachtet, gemäßigte Temperaturerhöhung um zwei Grad gibt, werden 300.000 zusätzliche Erstkontakte zwischen den Wildtierarten stattfinden können. Das entspricht einer Verdopplung der Artkontakte. Selbstverständlich werden diese Erstkontakte weltweit passieren, aber der überwiegende Teil von ihnen wird im tropischen Teil Afrikas und in Südostasien passieren. Dort gibt es genau jene Regionen, wo die Tierarten eine lediglich kleine Entfernung zurücklegen müssen, um in einen neuen Lebensraum bzw. eine neue Klimazone vorzudringen. Ist halt irgendwie logisch, dass man dort auf neue Nachbarn trifft.

Der Forscher hat mit seinem Team errechnet, dass es durch die zusätzlichen Erstkontakte zu mindestens 15.000 Viren-Übertragungen auf eine, für diesen Erreger, neue Wirtstierart kommen wird. Wenn also ein Virus von einer Wildtierarten auf eine andere überspringt, erhöht sich für die Menschen die „Chance“ zum Kontakt.

Folgendes Problem gibt es zusätzlich zu berücksichtigen. Genau jene Virenarten, welche einen erfolgreichen Virensprung im Tierreich absolvieren, sind auch bestens geeignet, um beim Menschen Zoonosen zu verursachen. Dieser Gedanke ist wohl auch nicht so prickelnd.

Bei einer Klimaerwärmung um 2 Grad würden sich die Habitate so verlagern, dass es zu 2.600 bis 3.600 Erstkontakten mit anderen Säugetierarten kommt. Bei dieser Anzahl von Erstkontakten, wird es zu ungefähr 100 Übertragungen von Viren, darunter auch Ebola, kommen. Fakt ist es, dass es sowohl für Menschenaffen, als auch für die Menschen eine neue, tödliche Gefahr wäre. Eine weitere Möglichkeit also, wie der Klimawandel uns schadet.

Welche enormen Auswirkungen der Sprung eines Virus vom Tier zum Menschen hat, sehen wir u.a. bei der Covid-19-Pandemie, SARS, Ebola und Zika.

Es wäre vielleicht doch keine so schlechte Idee möglichst rasch etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen