Montag, 9. März 2015

Wahlkampfauftakt in Wien - Wir gehen in den Gemeindebau

Vorsicht Satire!


In seiner unendlichen Großmut hat uns der Wiener Bürgermeister, Euer Gnaden Michael von Häupl, seinen unwürdigen Untertanen mitgeteilt, wann wir zu den Wahlurnen schreiten dürfen. Es wird sich am 11. Oktober dieses Jahres zutragen. Dem Volkes und der Oppositions Begehr nach einer Wahlrechtsreform, wird der Wiener Imperator allerdings nicht seine Zustimmung erteilen... Zum Wahlkampfauftakt haben SPÖ, ÖVP, FPÖ, die Grünen und die Neos beschlossen, gemeinsam
in den Gemeindebau zu gehen und Bürgernähe zu bekunden.
Mal sehen was da passiert...



Häupl
So liebe Freunde. Wir befinden uns jetzt in einem wunderschönen Simmeringer Gemeindebau und ich schlage vor wir gehen jetzt gleich einmal gemeinsam zur Einser Stiege und machen dem ersten Bewohner im Erdgeschoss unsere Aufwartung. Bitte nicht vergessen – nur einer von uns spricht immer und die Anderen halten sich dezent im Hintergrund. Wir machen das so lange bis jeder einmal dran gekommen ist und dann beginnen wir wieder von vorne. Ich nehme an, dass damit alles klar ist und ich erkläre hiemit die Haustürwerbung für die Wiener Wahl 2015 für eröffnet! Solada, da haben wir jetzt einmal auf Tür Nummer eins die Familie Schallert. Wer will da...

Während der Bürgermeister noch fragen will, wer den Anfang macht, stürmt der liebenswerte Manfred Juraczka zur Klingel und läutet mit einem liebevollen Lächeln im Gesicht an. Die Tür öffnet sich, ein Mann blickt heraus und bevor der noch etwas sagen kann, sprudelt es aus Juraczka nur so heraus.


Juraczka
Grüß Gott der Herr! Bestimmt haben Sie sich schon gefragt, ob das alles ist was einem das Leben anbieten kann. Glauben Sie mir, es gibt noch so viel mehr von dem Sie bisher noch keine Ahnung hatten...


Schallert
Hearst schleich Dich Du deppater Jehova!


Juraczka
Ich bin kein Zeuge Jehova!


Schallert:
A so, i hob glaubt wegn dem Anzug, der Krawattn, den obgschlecktn Hoar, na nix für unguat. Was woins denn eigentlich von mir? Woins ma irgendwos audrahn?


Juraczka:
Aber nein. Ich bin der Herr Juraczka..


Schallert:
Gesundheit!


Juraczka
Aber wieso?


Schallert
Na haums net grod gniast?


Juraczka
Nein, Juraczka ist mein Name! Also ich bin von der ÖVP und will wissen wie es Ihnen im Gemeindebau gefällt und warum Sie nicht in einer Eigentumswohnung rund um den Naschmarkt, oder einem kleinen Häuschen am Rande von Wien wohnen?


Schallert
Na Du bist vielleicht a Trottl!

Daraufhin knallt er dem armen Tropf die Tür vor die Nase zu.


Juraczka
Also ich versteh das jetzt gar nicht.


Strache
Siehst Du Manfred, das ist genau der Grund warum euch die Menschen nicht mehr wählen. Ihr könnt sie nämlich nicht mehr verstehen. Du hast ja gar keine Ahnung wo dem kleinen Mann von der Straße der Schuh drückt. Ich werde Dir gleich beim nächsten Bewohner zeigen, wie man das richtig macht.


Er läutet bei Oboyama und die Tür wird von einem dunkelhäutigen Buben geöffnet.


Strache
Servus. Du holen Papa oder Mama und sagen, dass draußen warten ein Mann der reden will mit ihnen.


Bub
Du Papa! Da ist irgendein Schnorrer vor der Tür! Soll ich ihm einen Euro geben?


Strache
Ah Du kannst deutsch?


Vater
Der Bub spricht bestimmt besser Deutsch als Du! Was willst Du denn eigentlich?


Strache
Ah ja hallo alles zusammen. Also wie Sie bestimmt wissen sind ja bald die Wahlen und ich wollte Sie fragen wie das so mit der Sicherheit hier im Gemeindebau ist.


Vater
Sicherheit? Was meinen Sie?


Strache
Na Sie wissen schon. Die vielen Ausländer, welche hier wohnen oder einbrechen...


Vater
Sie! Ich bin selbst Ausländer! Ich habe immer noch meinen nigerianischen Pass, obwohl ich schon so viele Jahre hier bin und sogar maturiert habe. Im Gegensatz zu ihnen, habe ich nämlich eine Matura. Und jetzt schauen Sie, dass Sie weiter kommen. So ein Gsindl!


Danach knallt er dem verdutzten Bumsti Strache die Tür vor der Nase zu.


Vassilakou
Na, das ist ja wohl nicht ganz so toll gelaufen. Ich bin die Nächste!


Lautstark klopft Maria Vassilakou an die Tür. Eine ältere Frau öffnet und blickt Sie griesgrämig an.


Vassilakou
Einen wunderschönen guten Morgen die Damen! Ich bin die...


Frau
Jo Jo. Ich weiß schon wer Sie san! Sie san die Griechin die unser sauer verdientes Geld zum Fenster aussehaut für solche Blädheiten wia a Fußgängerzone. So ein Blädsinn! Wer braucht denn des?



Vassilakou
Ja aber das ist doch eine gewisse Lebensqualtität, welche damit verbunden ist. Finden Sie das nicht schön und wichtig?


Frau
Der Gemeindebau do ist wunderschön! Da gibt’s nix was mir fehlt. I hob do an Supermarkt, an Friseur, a Trafik und an Wirtn und mehr brauch i net. Und Zeit hob i für eana jetzt a kane mehr, weil jetzta gleich eine meiner fünf Lieblingsserien anfängt. Also Tschüss!


Dreht sich um und verriegelt die Tür


Strolz
Also ich will da jetzt nicht all zu viel hinein interpretieren, aber der ganz große Wurf war dieses Haustürgespräch auch nicht. So Leute gemmas an, ich bin dran!


Marschiert zu einer Tür ohne Namen und läutet mit einem gewinnbringenden Lächeln im Gesicht an. Die Tür wird geöffnet und eine etwa 50ig-jährige Frau schaut heraus.


Strolz:
Ein herzliches Hallo will ich Ihnen entgegenschleudern. Ich bin der Matthias Strolz von den Neos und ich freue mich Ihnen mitteilen zu dürfen, dass wir bei den Wiener Wahlen am 11. Oktober 2015, erstmalig kandidieren werden. Ich würde mich sehr freuen, wenn auch Sie uns ihr Vertrauen schenken und an diesem Tag uns ihre wertvolle Stimme schenken. Was sagen Sie dazu?


Frau
Nix verstehen.


Strolz
Das ist jetzt bestimmt nur Spass, gell?


Frau
Nix verstehen. Ich nix unterschreiben Abo. Ba Ba...


Betrübt blickt der Matthias zu Boden und schleicht in den erlauchten Kreis der bisher Abgeblitzten. Ein Mann fehlt aber noch. Ein Mann hat noch die Chance die Gunst der Stunde zu nutzen und möglicherweise eine Stimmer für seine Partei einzusacken. Euer Gnaden Michael von Häupl!


Häupl
So passts auf Kinder. Ich zeig euch jetzt wie des geht. Da könnts jetzt was Lernen.


Siegessicher begibt sich der Wiener Bürgermeister zur nächsten Tür und läutet an. Ein Mann mittleren Alters und namens Faltermeyer öffnet die Tür.


Faltermeyer
Jessas der Häupl! I man i dram.


Häupl
Freundschaft lieber Mann! Sie trinken bestimmt auch gerne ein Schluckerl Wein. Ich habe da rein zufällig eine gute Flasche grüner Veltliner dabei. Was haltens davon, wenn wir die gemeinsam austrinken und uns dabei a bisserl unterhalten.


Faltermeyer
Worum geht’s denn eigentlich?


Häupl
Es warad wegen der Wahl...


Herr Faltermeyer grinst über das ganze Gesicht, entreißt dem Bürgermeister den grünen Veltliner und knallt dem verdutzten Michi die Tür vor der Nase zu.


Nach kurzer Besprechung beschließen die fünf erfolglosen Politiker die Gemeindebau Tour sofort zu beenden und gehen Trost im Alkohol suchend, in ein nahe gelegenes Beisl.