Donnerstag, 20. Oktober 2016

Wer glaubt, dass es nur zwei US-Präsidentschaftskandidaten gibt?

Dank der extrem einseitigen Berichterstattung glauben die meisten Menschen, dass bei den US-Präsidentschaftswahlen am 8. November 2016 lediglich zwei Kandidaten zur Wahl stehen. Immerhin glauben manche, dass es drei oder vier sein könnten. In Wahrheit sind es aber 32! Bestimmt haben die meisten von 30 Kandidaten nichts gehört oder gelesen. Wozu auch? Die Medien schweigen sie einfach tot. Warum das so ist? Das liegt einerseits daran, dass diese US-Präsidentschaftskandidaten viel zu wenig Geld für den Wahlkampf haben und andererseits auch daran, dass man zu den drei Fernsehdebatten erst dann eingeladen wird, wenn man in fünf US-weiten Umfragen bei mindestens 15 % der Wählerstimmen hält. Außerdem muss man in genau jener Menge von Bundesstaaten auf dem Stimmzettel stehen, bei denen man durch den Gewinn deren "Wahlmänner" zumindest theoretisch die Chance hat, die US-Präsidentschaftswahl zu gewinnen.

Die Kandidatin der Demokraten: Hillary Clinton und jener der Republikaner: Donald Trump, werde ich hier nicht weiter vorstellen. Ich habe mich auf jene fünf Kandidaten festgelegt, welche durch ihr Antreten in dem einen oder anderen US-Bundesstaat für Furore sorgen könnten.


Für die Libertäre Partei – Gary E. Johnson

Der 63-jährige US-Präsidentschaftskandidat gilt als Selfmade-Millionär und hat in seinem Leben die höchsten Berge aller sieben Kontinente bezwungen. Seine Politik vergleicht er deshalb auch gerne mit seinen alpinen Erfolgen. „Ein Schritt nach dem anderen, allen Widrigkeiten zum Trotz.“

Womit er bei den US-Wählern punkten will? Steuern runter, Pazifismus, offene Einwanderungspolitik, die Legalisierung von Marihuana

Er selbst ist der Ansicht, dass er sowohl in seinem alten, als auch in seinem neuen Heimatstaat erfolgreich sein könne. Das wäre also in New Mexico und in Utah.

Gary E. Johnson könnte einer der erfolgreichsten „dritten Kandidaten“ der letzten Jahrzehnte werden. 7 bis 10 % der Wählerstimmen sind ihm durchaus zuzutrauen.


Für die Grüne Partei – Jill Stein

Die 66-jährige Kandidatin der Grünen ist Harvard-Absolventin, war Professorin, Ärztin und Folksängerin. Seit etwa einem Jahrzehnt lebt sie nur noch für die Politik.

Sie setzt sich dafür ein, dass sich die Wirtschaft den wichtigen Zukunftsthemen wie z. B. die Umwelt und dem Klima widmet. Sie fordert weniger Rüstungsausgaben und in Summe ein kleineres Militär. Es ist ihr wichtig, dass jeder Zugang zur Bildung bekommt und deshalb fordert sie auch kostenlose Unis.

Bereits bei den letzten US-Präsidentschaftswahlen ist sie angetreten und bekam dabei lediglich 0,4 % der Stimmen. Aufgrund der derzeitigen Umfragen sind diesmal bis zu 4 % der Wählerstimmen möglich. Jill Stein dürfte dabei vor allem davon profitieren, dass es Bernie Sanders bei den Demokraten nicht geschafft hat als US-Präsidentschaftskandidat anzutreten. Viele seiner Wähler werden nämlich gar nicht Hillary Clinton ihre Stimme geben, sondern eben der Grünen Kandidatin Jill Stein. Wer weiß, welche Überraschung da noch möglich ist. Ich spreche da allerdings trotzdem nur von 5 bis 6 % der Wählerstimmen und davon, dass sie in einigen US-Bundesstaaten, zum Leidwesen von Hillary Clinton, das Zünglein an der Waage sein könnte.


Für die Constitution Party – Darrell Castle

Der 68-jährige ist ein etwas zwiespältige Persönlichkeit. Warum? Einerseits ist ihm die Auslegung der US-Unabhängigkeitserklärung, der Verfassung sowie der Bibel auf Strich und Komma unendlich wichtig und andererseits vertritt er die Ansicht, dass sich der Staat in den Bereichen Polygamie, Prostitution und Glücksspiel ja nicht einmischen soll.

Einst war der Jurist als Marineinfanterist und Missionar tätig. Politisch setzt er sich für den Drogenkrieg und gegen die Abtreibung ein. Seinem Wunsche würde es entsprechen, wenn sich die USA aus internationalen Organisationen zurückzieht. Dabei meint er die NATO, UNO und WHO.

Seine Chancen liegen im Bereich von 0,5 %.


Der unabhängige Kandidat – Evan McMullin

Der 40-jährige US-Präsidentschaftskandidat hat erst im August 2016 seine Kandidatur bekannt gegeben. Der Mormone stammt aus Utah und war einst als Missionar im Südamerika tätig. Seine 10-jährige Tätigkeit als CIA-Agent in Afrika, Asien und im Nahen Osten ist wohl, im Vergleich zu seinen Mitstreitern, wohl einzigartig. Er war außerdem Investmentbanker bei Goldman Sachs und für die Republikaner war er im US-Repräsentantenhaus als sicherheitspolitischer Berater tätig.

Was sind seine politischen Bestrebungen? Er will ein noch größeres Militär, schärfere Abtreibungsgesetze und eine kompaktere Zentralregierung.

Seine Chancen dürften gesamt betrachtet im Bereich von 0,3 % liegen. Sein Antreten in Utah könnte allerdings dafür sorgen, dass der ansonsten immer fest in den Händen der Republikaner liegende US-Bundesstaat, nicht von Donald Trump gewonnen wird!


Für die American Delta Party – Rocky de la Fuente

Der 61-jährige Rocky de la Fuente gründete, weil er bei den Vorwahlen der Demokraten ausgeschieden ist, blitzschnell eine eigene Partei. Er studierte einst Mathematik, Physik und Betriebswirtschaft und startete eine Karriere als Autohändler.

Seine Pläne für die USA lauten: gerechte Löhne für die Arbeiter, eine liberale Einwanderungspolitik, einschneidende Maßnahmen zur Kürzung des Staatsbudgets verbunden mit der Mammutaufgabe zum Abbau der Staatsschulden. Er würde die kirchlichen und karitativen Stellen dazu auffordern die staatlichen Sozialleistungen zu übernehmen.

Das Motto seines politischen Programms lautet „Dienst an anderen“

Sollte Rocky de la Fuente insgesamt 0,2 % der Wählerstimmen auf sich vereinen können, dann könnte man das für ihn bereits als Erfolg bezeichnen.

Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass vor allem Gary E. Johnson und Gill Stein in der Lage sind, in jenen US-Bundesstaaten wo Hillary Clinton und Donald Trump dicht beisammen liegen, für das Zünglein an der Waage zu sorgen.