Samstag, 10. März 2018

Venezuela – die Bevölkerung hungert

Wir versetzen uns geistig nach Venezuela und erfreuen uns über einen monatlichen Mindestlohn in der Höhe von 248.510 Bolivar. Nachdem uns der Staat, dankenswerterweise, auch mit Essensmarken mit einem Wert von 549.000 Bolivar versorgt, verfügen wir insgesamt über die gewaltige Summe von 797.510 Bolivar. Wir halten somit die enorme Summe von 200 € in unseren Händen – das klingt gleich ein bisserl weniger.


Noch weniger wird es wenn man seine 797.510 Bolivar auf dem Schwarzmarkt tauschen will – der offizielle Wechselkurs bringt nämlich leider genau genommen gar nichts, weil man weder Euros noch US-Dollar bekommt. Am Schwarzmarkt kann man den Bolivar dann immerhin gegen den US-Dollar tauschen. Für unsere 797.510 Bolivar bekommen wir nunmehr unglaubliche 6,50 US-Dollar... Ein Huhn aus dem Tiefkühlfach kostet in einem bolivianischen Supermarkt ca. 3,50 US-Dollar...

Wir haben also das Problem uns überhaupt ernähren zu können...

Überall in Venezuela hungern Menschen. Die Inflation hat im vergangenen Jahr 2.000 % betragen. Für dieses Jahr erwarten die Analysten sogar 10.000 %. Lohnerhöhungen können gar nicht in jenem Ausmaß getätigt werden, dass dies auch nur annähernd positive Auswirkungen für die Bevölkerung hätte. Mit der neu geschaffenen Kryptowährung löst man dieses Problem ebenfalls nicht.

Das Grundproblem ist, dass die hiesige Wirtschaft in allen Bereichen am Boden liegt. Die Einnahmen aus dem Erdölverkauf sind rapide gesunken und der Staat ist mit der Rückzahlung seiner Schulden enorm in Verzug. Dies führt dazu, dass die Regierung nicht in der Lage ist, Lebensmittel zu importieren. Nachdem die eigene Landwirtschaft, welche einst sehr produktiv war, still steht, ist man allerdings auf die Lebensmittelimporte angewiesen – ein Teufelskreis.

Es gilt aufgrund von Untersuchungen der Caritas-Venezuela als sehr wahrscheinlich, dass ca. 300.000 Kinder von maximal fünf Jahren moderat oder stark unterernährt sind. Diese Zahl wird allerdings noch gewaltig steigen, wenn es die Regierung nicht mehr schafft, Lebensmittelpakete, die sogenannten „CLAP-Kisten“ an die Bevölkerung zu verteilen. Die Abkürzung CLAP steht übrigens für „Lokale Versorgungs- und Produktionskomitees“.

Die Pakete enthalten folgende Grundnahrungsmittel: Reis, Mehl, Öl, Nudeln, Zucker und Salz. Dieses Essen kann vielleicht satt machen, lässt aber keinerlei ausgewogene Ernährung zu...