Dienstag, 5. Januar 2016

Mit 16 Jahren zum Tode verurteilt – Lebt der Neffe von Al-Nimr noch?

Ali Mohammed Al-Nimr ist der Neffe jenes Klerikers, welcher am vergangenen Samstag in Saudi-Arabien hingerichtet wurde. Im Februar 2012 wurde der Jugendliche, im Rahmen von Protesten gegen das saudische Herrscherhaus verhaftet. Das Gericht verurteilte ihn im Alter von 16 Jahren zum Tode durch Enthauptung. Warum? Weil er angeblich an den Demonstrationen teilgenommen hat (laut Familie war er nur auf dem Weg zum Einkauf und geriet zufällig in die Demo). Außerdem habe er Polizisten angegriffen. Sein Körper soll nach der Enthauptung übrigens öffentlich gekreuzigt werden. Selbstverständlich muss so ein Staat den Vorsitz über die UN-Menschenrechte haben...


Christof Heyns, seines Zeichens Experte der Vereinten Nationen für außergerichtliche oder willkürliche Hinrichtungen, ist der Ansicht, dass das Gerichtsverfahren total unrechtmäßig sei. Unter Folter wurde Ali Al-Nimr erpresst um sich selbst zu belasten. Nebenbei sei bemerkt, dass Benyam Mezmur, bei den Vereinten Nationen für die Rechte von Kindern und Jugendlichen zuständig, darauf verweist, dass ein Todesurteil nicht gegen Personen verhängt werden darf, die zum Tatzeitpunkt nicht volljährig sind. Im Falle der Todesstrafe, müsse das Ergebnis als außergerichtliche Hinrichtung gelten. Einsprüche der Familie gegen das Urteil wurden letztmals im September 2015 von König Salman abgelehnt.

Nachdem am Samstag 47 Menschen exekutiert wurden, viele von ihnen erhielten im vergangenen Jahr ihr Todesurteil, weiß man noch immer nichts über Ali Al-Nimr. Viele Internationale Organisationen fordern nun immer vehementer seine Freilassung.

Währenddessen nehmen in der muslimischen Welt, die politischen Proteste gegen Saudi-Arabien immer mehr zu. Besonders angespannt (das ist schon beinahe untertrieben), ist das Verhältnis zwischen dem Iran und Saudi-Arabien. Nach der Ermordung (o.k. Hinrichtung) des schiitischen Predigers, stürmten die Demonstranten in Teheran die saudische Botschaft und setzten sie in Brand. Die diplomatischen Beziehungen kann man nunmehr als beendet betrachten. Der Iran und Saudi-Arabien haben sowieso bereits seit vielen Jahren ein Problem miteinander, weil sie beide um die Vorherrschaft am Persischen Golf kämpfen.