Sonntag, 3. Januar 2016

110 tote Journalisten im Namen der Pressefreiheit

2015 sind weltweit 110 Journalisten getötet worden. Die meisten Journalisten sind in Frankreich, Jemen, Irak und Syrien gestorben. Der Anschlag in Frankreich auf das Satiremagazin„Charlie Hebdo“ ist signifikant für die derzeitige Entwicklung. Die meisten Journalisten sterben nämlich nicht mehr in den Kriegsgebieten. Immer wieder werden sie Opfer von Gewalt, wenn sie die Mächtigen kritisieren oder über explosive Themen recherchieren und schreiben.

 2015 waren folgende Staaten die für Journalisten gefährlichsten:

Syrien
Einerseits werden dort die Journalisten vom Assad-Regime mittels Zensur, Überwachung und willkürlichen Festnahmen an einer unabhängigen Berichterstattung gehindert und andererseits werden die Journalisten von den Dschihadisten bedroht. Entführungen und Exekutionen stehen an der Tagesordnung. Im Bürgerkrieg sind bisher mehr als 130 Medienschaffende getötet worden.

Jemen
Bewaffnete Rebellen und Stammesmilizen bringen die Journalisten mittels Entführungen oder/und Mordanschlägen zum Schweigen. Eine Bestrafung der Täter ist die Ausnahme. Die größten Radio- und Fernsehsender sind unter staatlicher Kontrolle und seit 2009 existiert ein Sondergericht für Journalisten.

Irak
Systematische Gewalt gegen Medienschaffende ist nichts Ungewöhnliches. In Mossul z.B. existiert eine Todesliste unbequemer Journalisten. Dschihadisten verüben in der Provinz Al-Anbar Anschläge und selbst in den Kurdengebieten finden Journalisten den Tod. Die meisten Politiker verhindern durch Gerichtsverfahren oder mittels Schikanen eine unabhängige Berichterstattung.

Libyen
Milizen bedrohen hier die Arbeit der Journalisten durch Entführungen, Folter... Die Regierung ist nicht in der Lage die Journalisten zu schützen. Eine Kritik an der Revolution von 2011 oder eine Beleidigung des Parlaments, der Justiz oder Regierung ist mit einer Haftstrafe bedroht.

China
Täglich versendet das Propagandaministerium Direktiven zur Steuerung der Berichterstattung. Soziale Netzwerke werden häufig durch chinesische Firewalls blockiert. Über das Massaker am 4. Juni 1989 darf bis heute nicht berichtet werden. China zählt zu jenen Staaten wo weltweit die meisten Blogger und Journalisten inhaftiert sind.

Ägypten
Medien welche Verbindungen zur Muslimbruderschaft haben, bekommen umgehend Probleme mit der Justiz. Militärprozesse gegen Journalisten sind nichts Ungewöhnliches. Journalisten sehen sich bei Demonstrationen häufig der Gewalt durch Demonstranten und Sicherheitskräften ausgesetzt. Es gibt kaum Journalisten welche Kritik an der Armee oder Regierung wagen.

Indien
Ein gefährliches „Pflaster“ für all jene Journalisten welche über die Verflechtungen von organisiertem Verbrechen und der Politik berichten, sowie jene Medientreibende welche über Umweltthemen recherchieren.

Türkei
Regierungsmitglieder rufen in den Redaktionen an, damit diese regierungskritische Texte aus ihren Webseiten entfernen. Die Internetgesetze sind sehr streng und kritische Seiten werden oftmals blockiert.

Iran
Die Medien sind staatlich kontrolliert und deshalb werden immer wieder Zeitungen geschlossen und das Internet überwacht und zensiert. Angeblich sind im Iran Millionen von Webseiten blockiert. Es existiert sogar eine Liste von sogenannten 25 Internet Verbrechen. Im Jahre 2012 wurden sogar vier Internetaktivisten zum Tode verurteilt. Blogger und Journalisten sind immer wieder von langen Haftstrafen bedroht. Die Haftbedingungen selbst, sind lebensbedrohlich.

Eritrea
In der Rangliste der Pressefreiheit belegt Eritrea von 180 Staaten den letzten Platz. Seit 2001 sind hier sämtliche privaten Medien verboten. Es gibt seit 2010 auch keine ausländischen Korrespondenten mehr in diesem Staat. Dutzende Journalisten sitzen Urteil, Kontakt zur Familie oder Anwälten viele Jahre im Gefängnis. Die Folter ist dort allgegenwärtig und die Haftbedingungen lebensgefährlich. Viele Journalisten sind in der Haft verstorben.

Wie können die Journalisten geschützt werden?
Es fehlt ja oftmals am politischen Willen, um unabhängige Ermittlungen nach den Morden an Journalisten durchzuführen. Es liegt vielfach an den Verhältnissen vor Ort. Reporter ohne Grenzen hat sich daher bei den Vereinten Nationen dafür eingesetzt, dass man einen UN-Sonderbeauftragten zum Schutze der Journalisten einsetzt. Man verspricht sich davon, dass die UN-Mitgliedsstaaten ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen. 

https://www.reporter-ohne-grenzen.de/?id=1404