Mittwoch, 18. September 2019

Tödliche Regionalwahlen in Kolumbien

Seit einem Monat läuft der kolumbianische Wahlkampf, in welchem die neuen Gouverneure, Ratsmitglieder und Bürgermeister des Landes gewählt werden und genau so lange wird der politische Alltag von Gewalt beherrscht. Die Wahlbeobachtungsmission (MOE) hat bis zum heutigen Tag bereits sechs ermordete Kandidaten zu verzeichnen. Zu den Opfern zählen zwei Kandidaten für ein Bürgermeisteramt und vier Kandidaten für eine Ratsmitgliedschaft.

Zu den Opfern gehören die am 2. September in Suárez (Cauca) ermordete Karina Garcia Sierra, ihre Mutter und drei Personen aus dem Wahlkampfteam. Sie befanden sich auf Wahlkampftour für die Partido Liberal (Liberale Partei) und wurden Opfer von Farc-Dissidenten. Für die Ergreifung der mutmaßlichen Täter „Mayinbu“ und „Marlon“ wurde eine Prämie von 40.000 Euro in Aussicht gestellt.

Der kolumbianische Verteidigungsminister Guillermo Botero sprach sich danach für eine verstärkte polizeiliche und militärische Präsenz im Norden Caucas aus. Im Gegensatz zur Vorverurteilung durch den kolumbianischen Außen-minister hat die Guerilla die Verantwortung für die politisch motivierten Morde scharf zurückgewiesen und sich auf das Entschiedenste von diesen Bluttaten distanziert.

In Toledo (Antioquia) wurde nur wenige Tage nach der Schreckenstat von Suárez, Orly Garcia mit einer Schusswaffe angegriffen, deren Verletzungen er nur wenig später erlag. Er warb seinerseits um Stimmen für die Partei Centro Democrático (rechtskonservative Partei der demokratischen Mitte) – das wäre auch ein netter Name für die neue ÖVP...

Als Hauptakteure für die politischen Morde, Drohungen und Entführungen gelten illegale bewaffnete Gruppen, welche um die Kontrolle des Territoriums für den Drogenhandel und illegalen Bergbau kämpfen. Bekräftigt wird diese These durch den vor wenigen Tagen veröffentlichten Bericht der Fundación Paz y Reconciliación, Pares (die Stiftung für Frieden und Versöhnung).
Sie analysiert die Sicherheitslage Kolumbiens seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens von 2016 und kommt zur Erkenntnis, dass sich die Sicherheitslage seit damals massiv verschlechtert hat. Untersucht wurden seit 2016 exakt 281 Gemeinden und es wurde festgestellt, dass seither mindestens 123 von ihnen, durch den Abzug der Farc-Guerilla, von illegalen, bewaffneten Gruppen und kriminellen Organisationen „übernommen“ wurden.

Noch viel erschreckender ist die Anzahl der politischen Gewalttaten, welche seit der Festlegung der Wahltermine, dies geschah am 27. Oktober 2018, bis zum 27. August 2019 in Kolumbien passiert sind. 364 politische, sozial und kommunale Anführer wurden Opfer bewaffneter Angriffe.

Diese Zahlen sind einfach beklemmend... und was hört und liest man davon in unseren Medien?





Keine Kommentare:

Kommentar posten