Dienstag, 8. Dezember 2015

Der Dominikanerpater aus dem Irak warnt vor der Schwierigkeit, muslimische Flüchtlinge zu integrieren

P. Nagib Michael ist Dominikaner aus Karakosch im Irak. Er hat sich, gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur kathpress, äußerst skeptisch über die Möglichkeit zur Integration der muslimischen Flüchtlinge in Europa geäußert. Aber erst einmal der Reihe nach. Seit Jahren haben sich die Dominikaner im Nordirak auf die Archivierung und Digitalisierung wertvoller historischer Schriftstücke spezialisiert. Im Ordenshaus in Karakosch wurde dafür ein Studio eingerichtet, nachdem es für die Christen in Mosul bereits seit einigen Jahren immer gefährlicher wurde. Laut P. Nagib Michael handelte es sich um etwa 8.000 digitalisierte Manuskripte. Im Sommer 2014 brachten er und seine Mitarbeiter, unter Einsatz ihres Lebens, unzählige historische Dokumente des 13. und 14. Jahrhunderts auf der Flucht vor dem „Islamischen Staat“, von Karakosch nach Erbil in Sicherheit.

Am 25. Juli 2014 hatte der Dominikanerpater einen Großteil der Manuskripte ins sichere Kurdengebiet evakuiert. Als dann der IS in der Nacht vom 6. auf den 7. August 2014 Karakosch eroberte, brachte er mit Helfern die restlichen Dokumente in Sicherheit. An den kurdischen Checkpoints wurden zwar die zigtausenden Flüchtlinge aus Karakosch, nicht aber die Autos durchgelassen. So verteilte er die Dokumente auf die Flüchtlinge "und zu Fuß haben wir unsere Geschichte und unsere Wurzeln nach Kurdistan gerettet".

Viele Dokumente konnte er retten, einige sind jedoch in die Hände des IS gefallen. Einiges wurde medienwirksam verbrannt, anderes aber auf dem Schwarzmarkt verkauft, so die Einschätzung des Paters. P. Nagib: "Der IS will uns Christen komplett auslöschen. Sowohl als Menschen als auch unsere Geschichte." Doch das werde ihm nicht gelingen.

Die Muslime hätten die Mentalität sich selbst, gegenüber den Nicht-Muslimen, als bessere Menschen zu bezeichnen. Lediglich ein bis zwei Prozent, der aus dem Nahen Osten kommenden Flüchtlinge, sind Christen. Diese wären für die westliche Gesellschaft eine Bereicherung. Sie haben dieselbe Mentalität wie wir und sind problemlos integrierbar. Viele andere Gruppen sind beinahe unmöglich zu integrieren, weil sie ihre speziellen Sichtweisen sowie ihren Fundamentalismus durchsetzen wollen. Es kommt zum Zusammenprall zweier unterschiedlicher Zivilisationen.

Christliche Flüchtlinge leben selbst in den Flüchtlingscamps nicht mit den Muslimen zusammen. Es wäre für sie zu gefährlich. Es ist wie bei den Jesiden. Christen und Jesiden können sehr gut miteinander, aber eine einzige muslimische Familie unter eintausend auf einem Flüchtlingsgelände verursacht gewaltige Probleme. Sie verhalten sich gegenüber Nicht-Muslimen sehr aggressiv. Die Europäer verstehen das nicht! Die Christen haben bereits desöfteren gesagt: Wenn Sie auch nur eine muslimische Familie hier im Gebäude oder auf dem Gelände aufnehmen, dann gehen wir! Muslime betrachten Nicht-Muslime als minderwertig. Sie besitzen die beste Religion und sind die besten Menschen.

Eine Syrien Lösung könne, so P. Nagib Michael, ausschließlich mit Baschar Al-Assad zustandekommen. Nur mit ihm könne es einen Frieden geben. Danach sollte es einen Übergang zu einer neuen Regierung geben. Die Terrororganisation müsse erst einmal militärisch besiegt werden. Danach müsse die Ideologie bekämpft werden. Brüssel und Paris sind Weckrufe. Das lehrt uns unsere Erfahrung als Christen unter Muslimen. Leider hört uns niemand zu.

120.000 Christen sind im Sommer 2014 nach Kurdistan geflohen. Mittlerweile gibt es auch dort fundamentalistische islamistische Strömungen. In Kurdistan gibt es für die Christen also auch keine Zukunft. Am Liebsten würden viele wieder heimkehren. Aufgrund der IS ist das unmöglich.

Wir Dominikaner mussten unsere Klöster in Karakosch und Mosul aufgeben. So schnell wie möglich wollen wir wieder zurückkehren. Viele Kirchen und Klöster wurden zwischenzeitlich zerstört und aus der Dominikanerkirche in Mosul wurde ein Gefängnis, in dem gefoltert wird. Die Christen haben kein Vertrauen mehr in die muslimischen Mitbürger. Gegen die IS-Terroristen hatten sie ihnen kaum geholfen und bei Plünderungen und Vertreibungen waren sie voll dabei. Viele Muslime würden aber mittlerweile ebenso erkennen, was sie sich mit der IS eingebrockt haben. Letztendlich habe er mehr Angst um die Zukunft Europas, als um die Zukunft des Nahen Ostens...


http://de.radiovaticana.va/news/2015/12/07/irakischer_dominikaner_sorge_um_zukunft_europas/1192483
http://www.katholisch.at/aktuelles/2015/11/25/sorge-um-zukunft-europas