Freitag, 8. Juli 2016

Mit dem Koffer voller Geld in einen Supermarkt von Venezuela

Wenn man in Venezuela spazieren geht und dort massenhaft Menschen mit Koffer sieht, dann liegt es nicht zwangsweise daran, dass so viele Touristen unterwegs sind. Viel eher ist es anzunehmen, dass die Menschen auf dem Weg in den Supermarkt sind. Durch die enorme Inflation, der Internationale Währungsfonds schätzt sie auf 720 %, braucht man Unmengen an Bargeld um das Nötigste einzukaufen. Blöd ist nur, dass es keine größeren Geldscheine als 100 Bolivar gibt. 100 Dollar entsprechen derzeit etwa 100.000 Bolivares. Am Ende dieser Zeilen werden es wohl bereits 110.000 Bolivares sein. Es hat allerdings auch einen enormen Vorteil, wenn man mit einem Koffer voller Geld einkaufen geht. Die gesamten Lebensmitteln kann man nach dem Bezahlvorgang mit dem Koffer mit nach Hause nehmen...


Es ist trotz allem anzuraten in Venezuela Bargeld zu verwenden und keinesfalls Kreditkarten zu benutzen. Für die Nutzung von Kreditkarten muss man in Venezuela nämlich etwa ein Drittel mehr bezahlen. Für den Bezahlvorgang in einem Restaurant sollte man sich durchaus genug Zeit nehmen und ruhig und gelassen bleiben. Der Kellner muss nämlich oft hunderte Geldscheine abzählen und am Ende, eh klar, noch einmal nachzählen. Zwischen zehn bis fünfzehn Minuten sollte man dafür durchaus einkalkulieren.

Warum Venezuela so eine hohe Inflationsrate hat? Das Land lebt beinahe ausschließlich (95 bis 98 %) von den Deviseneinnahmen durch den Erdölverkauf. Jetzt hat sich dieser Preis in den letzten Jahren halbiert und sogar die Nahrungsmittelimporte müssen eingeschränkt werden. Zwei Drittel der Venezolaner leben vom staatlichen Mindestlohn von 15.000 Bolivares. Das Dokumentationszentrum CENDAS hat berechnet, dass eine fünfköpfige Familie etwa 15 ! Mindestlöhne braucht um sich zu ernähren.

Vor wenigen Tagen haben hunderte Frauen die Grenze zu Kolumbien gestürmt und sich in den dortigen Supermärkten mit Lebensmitteln eingedeckt. Nachdem die Grenzbeamten aus Venezuela sie erst daran hindert wollten, haben sie die Frauen danach gewähren lassen.

In Venezuela sind nicht nur die Lebensmittel knapp. Sogar die Geldnoten gehen ständig aus und die hiesige Notenbank schafft es alleine auch nicht mehr. Im vergangenen Jahren hat sich die Geldmenge übrigens verdoppelt! Europas Druckereien mussten und müssen immer noch mithelfen all die nötigen Scheine zu drucken. Gleichzeitig kann man an den Geldautomaten Venezuelas immer weniger Geld abheben...