Samstag, 30. Mai 2015

Kolumbien – BP wird von einem Gewerkschafter vor Gericht gezerrt

In Großbritanien hat am 29. Mai 2015 ein bemerkenswerter Prozess begonnen. Gilberto Edgar Torres, ein ehemaliger Aktivist der kolumbianischen Erdölarbeitergewerkschaft USO hat BP vor ein Gericht gebracht und zur Entrichtung von Schadenersatz verklagt. Er wirft dem Erdöl Riesen eine Verwicklung in seine Entführung und Folterung vor. In Casanare wurde er im Februar 2002 von Paramilitärs entführt und gefoltert. Nachdem die USO in einen wochenlangen Streik getreten ist, wurde er nicht zuletzt auch dank des massiven internationalen Drucks nach 42 Tagen freigelassen. Zum ersten Mal klagt also ein Gewerkschafter die Ölriesen BP, wegen Menschenrechtsverletzungen.

Was war damals passiert?


Torres hatte kurz zuvor einen Arbeiterstreik wegen der Ermordung eines USO-Aktivisten organisiert. Davor wurde er bereits mehrmals bedroht. Er berichtet in einem Dokumentarfilm von seiner Entführung, den langen Verhören und der Folter. Er erlebte auch die Folterung seiner Mitgefangenen. Das Ziel war es, ihn dazu zu bringen zuzugeben, dass er einer linksgerichteten Guerillabewegung angehört.

Nicht weniger als 400 Arbeiter der Ocensa-Pipeline, wurden in der USO von Torres vertreten. Die Ocensa-Pipeline transportiert übrigens das Rohöl von Departamento Casanare bis zum Kaspischen Meer. Ocensa wird von insgesamt fünf multinationalen Konzernen und der kolumbianischen Ecopetrol betrieben. Der Ölriese BP war, zumindest damals, der größte Produzent dieser Region.


In Bogota standen einst jene Paramilitärs vor Gericht welche der Entführung angeklagt waren. Laut deren Ausführungen habe Ocensa die Ermordung von Torres in Auftrag gegeben. Geld ist dafür auch geflossen. Im Dokumentarfilm der Guardian werden diese Aussagen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Bereits vor Jahren hat die Menschenrechtsorganisation namens International Rights Advocates davon berichtet, dass BP einige Millionen US-Dollar in die 16. Brigade der kolumbianischen Streitkräfte fließen lässt, damit diese ihre Erdöl-Anlagen schützt. Die 16. Brigade war dafür bekannt mit den Paramilitärs zusammenzuarbeiten. Beispielsweise hat BP im Jahr 1995 mit dem kolumbianischen Verteidigungsministerium einen drei-Jahres-Kooperationsvertrag abgeschlossen. Es ging dabei um Sicherheitsmaßnahmen in der Höhe von 11,6 Millionen US-Dollar. BP hat zu dieser Summe 2,2 Millionenn US-Dollar beigesteuert. Die 16. Brigade hat davon das meiste Geld kassiert.

BP wird nicht beschuldigt an der Entführung von Torres direkt beteiligt gewesen zu sein. Es wird dem Erdölriesen aber vorgeworfen keine wirksamen Maßnahmen gegen die Aktivitäten der Paramilitärs ausgeübt zu haben. Amnesty International hat BP nämlich mehrmals auf die Morde oder dem Verschwinden von Gewerkschaftern in Casanare aufmerksam gemacht. BP hat allerdings zu verstehen gegeben, dass man sich gegen die Schadenersatzansprüche von Torres entschieden verteidigen wird.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass in der Erdölregion Casanare, in den letzten 30 Jahren, mindestens 3.000 Gewerkschaftsaktivisten ermordet und 6.000 weitere verschwunden sind.

https://amerika21.de/2015/05/123098/klage-gegen-bp-london