Donnerstag, 26. November 2015

17 Sekunden Luftraumverletzung reichen der Türkei für einen Abschuss

Die Türkei sieht sich im Recht, die russische Su-24 abgeschossen zu haben. Nach eigener Darstellung habe die Maschine für die Ewigkeit von 17 Sekunden den türkischen Luftraum verletzt. Lassen wir es einmal dahingestellt, dass der überlebende russische Navigator selbst diesen Zeitraum bestreitet. Fakt ist, dass die türkische Luftwaffe im Jahr 2014 den griechischen Luftraum mehr als 2.200 mal verletzt hat. Das geht aus einer Statistik der Universität Thessaly hervor, welche von der griechischen Zeitung „Protothema“ veröffentlicht wurde. Ob das auch jedes mal nur 17 Sekunden waren? Das passiert also statistisch betrachtet 6x täglich! Man stelle sich vor die Griechen würden jedes mal ein türkisches Flugzeug abschießen.


Überlegen wir einmal logisch weiter. Man darf auf eine Verletzung des Luftraums erst dann reagieren, wenn es bereits passiert ist. Die Türkei hat behauptet zehn Warnungen innerhalb von fünf Minuten ausgesprochen zu haben... Wie geht das, wenn das Flugzeug nur 17 Sekunden im türkischen Luftraum war? Die türkischen Kampfpiloten haben wohl auf ein derartiges Ereignis gelauert. So schnell können die Kampfjets wohl nicht gestartet sein... Genau betrachtet haben wohl die türkischen F-16 den syrischen Luftraum verletzt. Immerhin ist die russische Maschine in einer Entfernung von vier Kilometern zur türkischen Grenze abgeschossen worden.

Während die russischen Piloten sich fürs Erste mit dem Schleudersitz und dann am Fallschirm hängend aus der abgeschossenen Maschine befreien konnten, hatten die sogenannten „moderaten Rebellen“ nichts Besseres zu tun, als die am Fallschirm hängenden Piloten unter Beschuss zu nehmen, wobei einer von ihnen verstarb. Laut Genfer Menschenrechtskonvention ist dies streng verboten... Des Weiteren wurde ein Hubschrauber, welcher zur Rettung der Piloten geschickt wurde von diesen „moderaten Rebellen“ ebenso unter Beschuss genommen und zum Absturz gebracht. Einer der im Hubschrauber befindlichen Soldaten wurde dabei getötet. Ein zweiter Hubschrauber konnte aber die restliche Crew und den überlebenden Piloten des Kampfjets retten.

2012 wurde übrigens ein türkischer Kampfjet in Syrien abgeschossen, nachdem er in dessen Luftraum eingedrungen war. Die Reaktion vom damaligen Premierminister Erdogan war: „Eine kurzfristige Grenzverletzung kann niemals ein Grund für einen Angriff sein.“

Eine Folge des Abschusses werden wirtschaftliche Konsequenzen für die Türkei sein. Viele Russen machen nämlich sehr gerne Urlaub in Antalya. Sollten diese der Aufforderung des Außenministeriums nicht mehr in der Türkei Urlaub zu machen tatsächlich nachkommen, würde sich alleine das schon sehr stark auf die türkische Wirtschaft auswirken. Das Projekt Gaspipeline TurkishStream wird wohl damit auch zumindest auf Eis gelegt werden. Fast zwei Drittel ihrer Energie bezieht die Türkei aus Russland. Da sollte man sich lieber nicht verkühlen...