Dienstag, 3. November 2015

Airbus A321-200, Flug KGL 9268 ist abgestürzt – ein technischer Defekt oder...

Der Airbus A321-200 der russischen Airline Metrojet ist mit 224 Menschen an Bord, um 5.51h im ägyptischen Urlaubsort Scharm el-Scheikh nach St. Petersburg gestartet und 22 Minuten später, nachdem die Luftfahrtbehörden im ägyptischen Raum den Kontakt verloren hatte, über der ägyptischen Sinai-Halbinsel abgestürzt. Zum Zeitpunkt des größten Unglücks der russischen Luftfahrtgeschichte hatte der Airbus bereits eine Flughöhe von 9.450 Meter erreicht. Die Herstellerfirma Airbus gab bekannt, dass lediglich drei Minuten später das Flugzeug auf dem Boden aufschlug und sämtliche Flugzeuginsassen ums Leben kamen.

In der Unglücksmaschine befanden sich 219 Russen, 4 Ukrainer und 1 Weißrusse. Unter den Opfern waren 25 Kinder. Ein Pilotenfehler wird von allen Personen welche zur Aufklärung der Katastrophe herangezogen oder befragt wurden ausgeschlossen. Mit mehr als 12.000 Flugstunden handelte es sich um einen sehr erfahrenen Mann.

Kurz nach dem Absturz vermeldeten die ägyptischen Behörden noch, dass die Maschine nicht in der Luft auseinandergebrochen, sondern im Ganzen am Boden aufgeschlagen sei. Dafür würde nämlich die geringe Fläche des Absturzortes, sowie die Lage der Leichen und Wrackteile sprechen. Mittlerweile gilt diese Meldung als überholt. Nach einer Aussage des Vorsitzenden der russischen Luftfahrtagentur Rosaviatsia, Alexander Neradko deute alles darauf hin, dass das Flugzeug in seiner Struktur bereits in der Luft und in großer Höhe zerbrach. Dies verkündete auch Victor Sorochenko, seines Zeichens der Direktor der russischen Luftfahrtkommission gegenüber der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti. Die Wrackteile seien über ein Gebiet von 20 Quadratkilometer verstreut. Die Leiche eines Kindes wurde z. B. in einer Entfernung von acht Kilometern zur Absturzstelle gefunden...

Der Flugschreiber der abgestürzten Maschine wurde bereits gefunden und zur Auswertung in die ägyptische Hauptstadt Kairo gebracht. Dort werden diese von ägyptischen und russischen Spezialisten untersucht und ausgewertet. Währenddessen hat Russland mit dem Rücktransport der 224 Toten nach St. Petersburg begonnen. Sie werden von 50 Gerichtsmedizinern mit Hilfe von DNA-Proben identifiziert und den Hinterbliebenen zur Bestattung übergeben. Bis jetzt wurden 163 Tote gefunden.

Laut eines BBC Berichts habe sich der Copilot der Unglücksmaschine kurz vor dem Start seine Tochter angerufen und sich darüber beklagt, dass der technische Zustand des Flugzeugs zu wünschen übrig liesse...

Faktum ist, dass die abgestürzte Maschine im November 2001 bei der Landung in Kairo mit dem Heck über die Piste schlitterte. Ein derartiges Ereignis nennt man Tailstrike und passiert immer wieder bei Starts und Landungen. Das Flugzeug musste logischerweise repariert werden. Eine derartige Reparatur ist eigentlich nicht die große Sache, aber es gibt dabei einen kritischen Punkt. Es handelt sich dabei darum, dass im Flugzeugheck der sogenannte hintere „Deckel“ der Passagier-Druckkabine befestigt ist. Ist dieser „Deckel“ nicht ordnungsgemäß montiert, entsteht eine tickende Zeitbombe.

Eine Boeing stürzt im Jahr 1985, etwa sieben Jahre nach einer derartigen Reparatur ab, weil eben bei dieser besagten Reparatur geschlampt wurde. 2002 wiederholte sich selbiges Ereignis bei der China Airline. Diese stürzte 22 Jahre nach der Reparatur, aufgrund eines sogenannten Tailstrikes, ab. Es kam damals während des Fluges zu einem Ermüdungsbruch. Das Flugzeug brach damals im Flug auseinander.

Bei den bisherigen Wrackbildern der russischen Maschine fällt auf, dass der Rumpf der Länge nach sichtbar ist. Er vermittelt den Eindruck erst am Boden vollständig ausgebrannt zu sein. Die Flügel waren vermutlich noch ganz bevor sie am Boden ausbrannten. Das Cockpit bzw. die Nase des Flugzeugs scheinen nicht gequetscht worden zu sein. Die Aufnahmen widersprechen eher einem senkrechten Aufprall und vermitteln den Eindruck, dass die Maschine „eher waagrecht landete“. Das Höhenruder des Flugzeugs ist entweder zuerst abgebrochen und es kam dann zum Absturz, oder ist aufgrund der enormen Geschwindigkeit beim Sturzflug abgebrochen. Ohne dem Höhenruder ist ein Flugzeug auf alle Fälle nicht kontrollierbar.

Die Möglichkeit eines Attentats

Wenige Stunden nach dem Absturz der russischen Passagiermaschine hatte der IS auf Twitter ein Bekennerschreiben verbreitet und die Zerstörung des Flugzeugs für sich beansprucht. Genau genommen handelt es sich dabei um ägyptische Rebellen, welche dem „Islamischen Staat“ in Syrien und Irak nahestehen.

Faktum ist, dass das Metrojet-Flugzeug in jenem Gebiet abgestürzt ist, in welchem islamistische Gruppen aktiv sind. Ägyptische Sicherheitskräfte müssen daher auch die Rettungskräfte und Journalisten, welche zum Wrack unterwegs sind und dort ihre Arbeit verrichten, begleiten und beschützen.

Die Experten sind sich über die Gründe welche zum Absturz führten noch uneinig. Laut dem Vizechef der russischen Fluggesellschaft, Alexander Smirnow, sei die Katastrophe durch eine mechanische Einwirkung erfolgt, aber garantiert nicht aufgrund eines Pilotenfehlers oder einer technischen Störung. Das ist bei ihm auch gut nachvollziehbar. Er wird wohl nicht sofort hergehen und sagen, dass seine Fluglinie aufgrund einer Schlampigkeit schuld am Absturz sein könnte...

Zwei russische Luftfahrtexperten sind der Ansicht, dass das Flugzeug bereits in der Luft auseinandergebrochen sei und daher, laut Alexander Fridljand (Leiter eines Forschungszentrums für Luftfahrt in Moskau), eine Bombe an Board (möglicherweise im Gepäckraum) nicht ausgeschlossen sei. Dies würde das rasche Absinken der Maschine erklären. Der Chef der russischen Luftfahrbehörde, Alexander Neradko verwies dabei auf den großen Radius der Trümmerteile.

Russische Behörden – gedeckt von ägyptischen – lehnen den IS als Urheber der Tragödie mit der Erklärung, die Gruppierung besitze nicht die entsprechende spezialisierten Waffensysteme, um ein Flugzeug in Reiseflughöhe abzuschießen, als einen reinen Propagandatrick der Extremisten ab.
Der US-Geheimdienstdirektor James Clapper, sowie ein britischer Militärexperte halten es zwar für unwahrscheinlich, dass die Terroristen die Maschine abgeschossen hätten, können dies aber nicht gänzlich ausschließen

Die BBC hat bereits verkündet, dass das russische Flugzeug in der Luft, in der Mitte auseinandergebrochen ist. Michael Clarke, seines Zeichens der Generaldirektor der Royal United Services sagte in der BBC: „Die Tatsache, dass auf 10.000 Metern Höhe irgend ein katastrophaler Zwischenfall dazu geführt hat, dass das Flugzeug auseinander gebrochen ist, deutet auf eine Explosion hin. Ein Unfall ist äußerst unwahrscheinlich, eine Bombe viel wahrscheinlicher“

Der ehemalige französische Geheimdienstmitarbeiter Yves Trotignon weist in der „Le Parisien“ dezidiert darauf hin, dass aus dem Statement der Terroristen nicht hervorgehe, dass sie das Flugzeug abgeschossen, sondern zerstört haben! Eine Sabotage oder ein Sprengstoff an Board sind also denkbar. Für den Politologen Mathieu Guidere ist diese Szenerie ebenfalls denkbar.

Abschließend ist festzuhalten, dass der „Islamische Staat“ noch nie die Verantwortung für einen Anschlag übernommen hat, welchen er nicht selbst verübte...