Donnerstag, 23. April 2015

Afrika – Migranten und das Bildungsproblem

Wir hören aus den Medien zumeist nur von jenen Migranten aus Afrika welche unbedingt nach Europa kommen wollen. Die Bootsflüchtlinge stellen im Verhältnis zur Gesamtmigration der Afrikaner lediglich 2 bis 3 % dar. Fast alle Migranten versuchen ihr Glück am eigenen Kontinent und dann am liebsten in Südafrika, Angola, Gabun oder der Elfenbeinküste. Einige dieser Staaten verdanken ihr schnelles Wachstum großen Ölvorkommen. Südafrika und die Elfenbeinküste verfügen hingegen über eine große industrielle Basis.

In die Elfenbeinküste wandern die Menschen vor allem aus den umliegenden Staaten wie den Senegal, Togo, Burkina Faso, Benin und Niger ein. Dort wachsen die Volkswirtschaften jährlich um beachtliche 5 %. Das reicht allerdings nicht, um die Armut wirksam zu bekämpfen.

Der Benin

Benin ist politisch stabil und weist ein jährliches Wachstum von 5,5 % auf. Trotzdem wandern jährlich 300.000 Einwohner aus. Das Bevölkerungswachstum beträgt 3 %. Damit die gesamte Bevölkerung vom Wirtschaftsaufschwung profitiert, bräuchte es aber ein jährliches Wachstum von mindestens 6 %.

Die Elfenbeinküste

Die Elfenbeinküste hat ein Wirtschaftswachstum von 8,5 %. Die Bevölkerung ist dagegen um nur 1,8 % gewachsen. Alles super – oder doch nicht? Die Migranten machen bereits etwa 40 % der Gesamtbevölkerung aus! Die Elfenbeinküste ist damit weltweit jener Staat mit dem höchsten Ausländeranteil. Die Wirtschaftsmetropole Abidjan ist eine großartige kosmopolitische Stadt. Die enorme Zahl an Wirtschaftsmigranten bewirken allerdings einen unglaublichen Druck auf dem Arbeitsmarkt. In den Jahren 2000 bis 2007 gab es bei den Ivorern ja einen Bürgerkrieg. Der Hauptgrund war, dass viele Einheimische das Gefühl hatten im eigenen Staat nur noch geduldet zu sein. Die Probleme auf dem Arbeitsmarkt bringen es mit sich, dass selbst aus der „reichen Elfenbeinküste“ viele Menschen als Bootsflüchtlinge ihr Glück in Europa suchen.

Südafrika

In Südafrika toben derzeit ausländerfeindliche Ausschreitungen der Zulu-Bevölkerungsmehrheit. Die Armee wird zur Eindämmung der Ausschreitungen eingesetzt. Die Südafrikaner haben nämlich Angst, dass ihnen die Ausländer die Arbeitsplätze wegnehmen. Der Ausländeranteil beträgt in Südafrika etwa 10 %.

Die meisten Migranten stammen aus Zimbabwe. Es sind sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge. Flüchtlinge aus Somalia und Kongo-Kinshasa sind vor dem Krieg und den Hunger geflohen (klassische Flüchtlinge halt).

Einer der Faktoren für die massive Auswanderung selbst aus Ländern mit hervorragenden Wirtschaftsprognosen ist der durchweg geringe Bildungsstand. Schuld daran ist ein staatliches Bildungssystem welches bereits seit Jahrzehnten den Namen Bildungssystem nicht verdient.

In Südafrika sind 70.000 Stellen für Ingenieure unbesetzt, weil es keine geeigneten Kandidaten gibt...

Ruanda

An diesem Staat, oder besser gesagt seinem Präsidenten Paul Kagame scheiden sich die Geister.

Das Bevölkerungswachstum beträgt 2,6 %. Das Wirtschaftswachstum allerdings beachtliche 6 %. Niemand aus Ruanda hat einen Grund sein Glück in einem anderen Staat zu versuchen. Der Hauptgrund ist, dass Ruanda riesige Summen in sein Bildungssystem investiert. Die Regierung ist die effizienteste in Afrika. Das ist ein Verdienst von Paul Kagame. Der Preis dafür ist allerdings, dass es in Ruanda keine politische Wahl und auch keine Meinungsfreiheit gibt. Kagame ist der Ansicht, dass die Demokratie „kein singuläres Ereignis“, sondern ein „langer Prozess“ ist. Rein wirtschaftlich betrachtet hat der Mann recht. Ob man allerdings unter so einem Regime leben will, darf bezweifelt werden.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/migration-afrika-leidet-unter-seiner-bildungsmisere-13553417-p2.html