Dienstag, 21. April 2015

Armenien – was geschah am 24. April 1915

Am 24. April 2015 werden viele europäische Staatschefs zum Völkermorddenkmal Zizernakaberd in Eriwan kommen. Warum? Was ist denn am 24. April 1915 passiert? An diesem Tag wurden in Istanbul 250 Führer der armenischen Gemeinschaft, bestehend aus Intellektuellen, Geistlichen, Journalisten, Politikern und Geschäftsleuten verhaftet und viele von ihnen ermordet.

Das Osmanische Reich war am 14. November 1914 in den Weltkrieg eingetreten und hat noch im selbigen Winter in einer Offensive am Kaukasus, in der Schlacht um Sarikamis eine verheerende Niederlage einstecken müssen. Für diese militärische Niederlage wurden kollektiv die Armenier verantwortlich gemacht. Einige von ihnen unterstützten nämlich die russische Armee in der Hoffnung dadurch die angestrebte Unabhängigkeit zu erlangen. Die Armenier in der Osmanischen Armee wurden umgehend entwaffnet, manche getötet und der Rest in Arbeitsbataillone zusammengefasst. Es folgte die Hinrichtung vieler dieser Bataillone.


Am 24. April 1915 erfolgte „aus einer militärischen Notwendigkeit heraus“, der erste Befehl zur Deportation der Armenier aus ihren Siedlungsgebieten im Osten des Staates, in die syrische Wüste.


Die männlichen Armenier wurden, in der Nähe ihrer Heimatorte, öffentlich hingerichtet. Auf dem langen Marsch (die Umschreibung zur Deportation) starben viele Armenier durch Bandenüberfälle und der Gewalt durch die sie begleitenden Truppen. Viele Frauen und Kinder verhungerten und verdursteten auf ihrem Leidensweg.

Zwischen 1915 und 1917 wurden hunderte armenischer Kirchen (Die Armenier sind das älteste christliche Volk der Welt), Klöster und Schulen geplündert, zerstört oder/und in Moscheen umgewandelt.

Die Schätzungen der Historiker haben ergeben, dass etwa 1,5 Millionen Armenier getötet wurden. Am Ende des Ersten Weltkriegs lebten nur noch 10 % der Armenier, welche im Jahre 1914 im Osmanischen Reich gelebt haben.



Bereits in den Jahren 1894 – 1896 wurden durch den Sultan Abdülhamid II. Massaker an die Armenier veranlasst und durchgeführt. Diese begannen im Gebiet von Sason und weiteten sich auf sämtliche Siedlungsgebiete der Armenier aus. Dabei starben etwa 80.000 bis 300.000 Armenier. Es gab Deportationen, Plünderungen und man versuchte den christlichen Teil der Bevölkerung zum Übertritt zum Islam zu bewegen (zwingen). Der barbarische Höhepunkt fand am 28. Dezember 1895 in Urfa statt. Dort wurden in einer Kirche etwa 1.500 Menschen lebendig verbrannt. In Europa und den USA wusste man von den Ereignissen und empörte sich... Bei der Verfolgung der Armenier hat man aber letztendlich doch nur zugesehen...

Im März 1909 wurden ebenso schwere Massaker an den Armeniern mit bis zu 20.000 Toten ausgeübt. Vor dem betroffenen Gebiet der kilikinischen Adana, kreuzten vor der kilikinischen Küste Kriegsschiffe aus Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Russland und den USA. Geholfen haben sie den Armeniern allerdings nicht....

Alleine in den Jahren 1882 – 1912 sank die Zahl der Armenier im Osmanischen Reich um ein Drittel!

Im Jahre 2015 steht in den türkischen Schulbüchern der 10. Klasse folgendes über den Genozid im Jahre 1915:


„Mit dem Umsiedlungsgesetz wurden nur jene Armenier aus dem Kriegsgebiet entfernt und in die sicheren Regionen des Landes gebracht, die sich an den Aufständen beteiligt hatten. Diese Vorgehensweise hat auch das Leben der übrigen armenischen Bevölkerung gerettet, denn die armenischen Banden haben jene ihrer Landsleute, die sich an den Terrorakten und Aufständen nicht beteiligt hatten, umgebracht.“

Mit dieser Art von Vergangenheitsbewältigung ist es nicht verwunderlich, dass sich Papst Franziskus mit seinen harten Worten über den Genozid an den Armeniern, in der Türkei viele Feinde gemacht hat.