Samstag, 3. Oktober 2015

Leben wir oder überleben wir länger?

Beginnen wir doch einmal mit einer guten Nachricht. Die Weltgesundheitsorganisation hat erstmals einen „Weltbericht über Älterwerden und Gesundheit“ veröffentlicht. Na gut, das war noch nicht die gute Nachricht. Aber jetzt kommt sie: In der Geschichte der Menschheit erleben wir gerade eine Premiere. Fast alle Menschen werden weit über 60 Jahre oder noch älter werden. Hurra!


Für die längere Lebenserwartung sind Faktoren wie z.B. die bessere Ernährung, die Herstellung von Insulin und Antibiotika und selbstverständlich auch der Einsatz moderner Technik verantwortlich. Die Menschen müssen nicht mehr so viel körperliche Arbeiten erreichten. Die Wissenschaftler sprechen von einem „geschenkten Jahrzehnt“.

Bisher klingt doch alles hervorragend. Liebe Leute es tut mir leid, aber mit dem nächsten Satz wird die aufgekommene Freude gleich wieder abgeschwächt. Nachdem man Infos über 306 Krankheiten in 188 Staaten gesammelt hatte stellt man nun fest, dass das längere Leben viel mehr mit einem längeren Überleben zusammenhängt. Jeder vierte der 70 bis 85-Jährigen leidet an fünf oder mehr Krankheiten gleichzeitig. Ich bilde mir ein soeben ein kollektives „Na geh...“ vernommen zu haben. Das Leben ist deshalb aber trotzdem nicht sooo schlimm. Schließlich gibt es Hörgeräte gegen die Schwerhörigkeit, Laseroperationen gegen Augenleiden, Medikamente gegen Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen...

Die wichtigste Herausforderung wird es sein, dass all diese Möglichkeiten welche zur Verbesserung des Lebens führen auch vorhanden sein müssen. Obwohl im Spital jeder zweite Patient älter als 60 Jahre ist und zumeist nur eine begleitende Pflege braucht, fließen die meisten Gelder (jährlich mehr), in die Spitzenmedizin. Diese Denkungs- und Handlungsart in der Politik ist falsch und gehört umgehend geändert.

Die Gesellschaft an sich ist ebenso gefordert. Die große Frage ist nämlich – Wie nimmt man die alten Menschen wahr?“ Wenn die alten Leute in das gesellschaftliche Leben integriert und fürsorglich behandelt werden, so bleiben deren physische und geistige Fähigkeiten auch länger aktiv.